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Report: Vuvuzela-Lärm chancenlos gegen Jubel und Hupen

Autokorso in BerlinGroßansicht
Berlin (dpa) - Die Vuvuzelas sind laut. Sie sind sehr laut. Sie sind quälend laut. Aber gegen den losbrechenden Torjubel auf den Fan-Partys und das ohrenbetäubende Autohup-Konzert der Korso-Karawanen in den Innenstädten ging der Trötenlärm in der Nacht zum Montag chancenlos unter.

Auf dem Kurfürstendamm in Berlin lief nach dem 4:0 gegen Australien bis weit nach Mitternacht nichts mehr. Als immer mehr wie wild hupende Autofahrer mit aus den Fenstern gelehnten und brüllenden Begleitern die traditionelle Autokorso-Meile ansteuerten, sperrte die Polizei ab. Auf dem Kudamm feierten und tanzten die Menschen, schwenkten Fahnen - eine Fußgängerzone in Schwarz-Rot-Gold.

«Es ist schon so, dass die Fans richtig darauf warten, die lassen ihre Freude dann möglichst schnell raus», sagte Polizeisprecher Martin Otter in Berlin. Nur drei oder vier Minuten nach dem Schlusspfiff in Durban schwoll der Lärmpegel auf dem Berliner Boulevard in der West-City bereits an. Aber nicht nur in den Großstädten wie in München auf der Leopoldstraße oder in Düsseldorf und Frankfurt/Main, sondern auch in Heilbronn bildete sich ein Korso mit mehr als 500 Wagen.

Und in Mannheim stiegen viele der 5000 Fußballfreunde Minuten nach dem Public Viewing im Eisstadion sofort in ihre Fahrzeuge, um am traditionellen Autokorso um den Wasserturm teilzunehmen. «Hier blieb aber alles sehr friedlich» sagte Fan-Party-Veranstalter Volker Dressler. Ruppiger ging es zu auf der Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg. Dort enterten angetrunkene Fans einen Linienbus, kletterten aufs Dach und beschädigten das Fahrzeug.

Auf der Bundesstraße 100 kam es nahe Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt zu Ausschreitungen. Betrunkene Fans blockierten eine Kreuzung. Nach Angaben der Polizei wurden Beamte mit Flaschen beworfen, ein Beamter wurde verletzt. Die Polizei sprach mehr als 100 Platzverweise aus.

Alles in allem aber blieben die bis zu 2000 Fanfeste im ganzen Land aber friedlich und fröhlich. «Die Stimmung ist brillant», sagte ein Veranstalter auf der Heilbronner Theresienwiese. Auf vielen Fan-Partys aktualisierten die Zehntausende von Besucher das Lieblingslied des Sommermärchens 2006 und sangen im Jubel-Refrain nach jedem Tor begeistert: «'54, '74', '90, '2010».

Die umstrittenen Vuvuzelas bereiteten auf den Partys kaum Probleme. Überwiegend waren sie verboten worden. «Die Leute sind sehr vernünftig und lassen die Vuvuzelas draußen», sagte ein Organisator in Heilbronn. In vielen Städten wurden die Lärmmacher vorher eingesammelt.

In Fulda auf dem Schlosshof waren sie verboten worden, «weil die fast einen Meter langen Plastiktröten als Wurfgeschosse missbraucht werden könnten». Im Massenchor als monoton nervendes Bienensummen wie in den südafrikanischen Stadien traten die Vuvuzela-Bläser in den deutschen Städten kaum auf. Tief in der Nacht in Berlin-Lichterfelde Süd blies ein später Heimkehrer noch einmal in seine Vuvuzela. Eine Autohupe antwortete sofort.

Fußball / WM / Fans
14.06.2010 · 13:38 Uhr
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