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Report: Volle Züge unter der Aschewolke

Reisende warten im Hauptbahnhof in Hamburg auf ihre Züge.Großansicht
Berlin (dpa) - Bereits am frühen Samstagmorgen ist die Schlange vor den Service-Centern am Berliner Hauptbahnhof rund 100 Meter lang. Zahlreiche Fahrgäste warten auf Informationen, an den meisten Koffern hängen noch die Schilder der Fluggesellschaften.

Nichts geht mehr im deutschen Luftraum, seit sich eine riesige Vulkanaschewolke aus Island über Europa gelegt hat. Fast alle Flüge wurden abgesagt, das Flugverbot immer wieder verlängert. Auch die Deutsche Bahn spürt die bislang beispiellose Naturkatastrophe: Die meisten Züge sind hoffnungslos überfüllt, viele Reisende finden keinen Sitzplatz und hocken oder liegen in den Gängen. An vielen Bahnhöfen ist die Hölle los.

«Es ist einfach nur schrecklich», sagt ein etwa 50-jähriger Mann und rückt eine Position in der Warteschlange am Berliner Hauptbahnhof weiter vor. Er habe eigentlich zurück nach Frankreich fliegen wollen. Jetzt wolle er versuchen, mit der Bahn nach Hause zu kommen. «Und nun stehe ich hier seit einer Stunde in der Schlange. Das ist alles eine Katastrophe». Auch in den Restaurants und an den Imbissständen im Bahnhof herrscht großer Andrang. Jugendliche aus Italien hocken gelangweilt auf ihren Koffern. Andere Reisende sitzen vor einer Tasse Kaffee und warten auf ihre Zugverbindung.

Ein Ehepaar aus Stuttgart nimmt es hingegen gelassen. Die beiden waren beruflich in Berlin und wollten eigentlich am Freitag zurück nach Baden-Württemberg fliegen. So mussten sie bis Samstag in einem Hotel übernachten. «Die Zugverbindung haben wir im Internet gebucht», sagt er. Das sei völlig problemlos gegangen.

Alles auf den Schienen, «was rollen kann»

Die Bahn versuchte auch am Samstag, Ausgleich für die gestrichenen Flugverbinden zu schaffen. Alles muss jetzt rollen, was rollen kann, sagte ein Sprecher. Der Konzern stößt damit aber schnell an seine Grenzen. Schon im vergangenen Winter waren die Probleme deutlich geworden, als wegen technischer Probleme und witterungsbedingter Pannen nur kürzere Züge eingesetzt werden konnten.

Der Fahrgastverband Pro Bahn nimmt den Konzern allerdings in Schutz: Die Bahn habe jetzt das Mögliche getan, sagt der Bundesvorsitzende Karl-Peter Naumann. Dass nicht mehr Züge eingesetzt würden, liege daran, dass die Bahn keinen Ersatz einplanen könne. Hier müsse die Politik entscheiden, ob zusätzliche Gelder für mehr Züge zur Verfügung gestellt werden.

Wie schon am Freitag stünden an den Bahnhöfen mehr Mitarbeiter bereit, um die Fahrgäste über die aktuellen Verbindungen zu informieren. Vor allem Richtung Wien und Frankfurt am Main seien die ICE-Züge sehr voll. Auch auf den Verbindungen zwischen den großen deutschen Flughäfen könne es zu Überlastungen kommen. Einzelheiten zu den zusätzlich eingesetzten Zügen oder dem zusätzlichen Personal wollte der Sprecher nicht nennen.

Brandanschlag auf Fernverkehr in Hamburg

Und ausgerechnet an diesem Samstagmorgen zündeten Unbekannte einen Lastwagen unter einer Bahnbrücke in Hamburg an und beschädigten die Elektronik. Die Züge aus und nach Bremen und in Richtung Ruhrgebiet konnten nicht bis zum oder vom Hauptbahnhof aus fahren, sondern wurden an einem anderen Bahnhof der Stadt eingesetzt. Der war aber per S-Bahn erreichbar. Die Züge Richtung Hannover mussten umgeleitet werden. Erst am Nachmittag konnte die Strecke wieder geöffnet werden.

Ob sich der isländische Gletschervulkan beruhigen wird oder auch in den kommenden Tag weiter Rauch und Asche in die Atmosphäre stoßen wird, ist derzeit noch völlig unklar. Wahrscheinlich ist aber, dass es auch am Sonntag und Montag auf den Bahnhöfen und in den Zügen in Deutschland chaotisch zugehen wird. Schließlich gilt der Sonntag als Hauptreisetag für die Bahn, und am Montag startet der Berufsverkehr.

[Deutsche Bahn]: Potsdamer Platz 2, 10785 Berlin

Vulkane / Verkehr / Bahn / Island
17.04.2010 · 23:13 Uhr
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