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Report: Urlaub in der Staatskrise

Frankfurt/Hannover (dpa) - An Erholung war für Sonja in diesem Urlaub nicht zu denken. Vor ihrem Hotel in Djerba waren Schüsse zu hören, wegen einer Ausgangssperre durfte niemand abends die Urlaubsanlage verlassen, berichtete die Münchnerin.

Sie hatte mit ihrem kleinen Kind Urlaub in Tunesien gemacht, wollte dem deutschen Winter entfliehen und geriet wie tausende andere Touristen mitten in eine Staatskrise. Zwar konnte sie tagsüber Märkte besuchen, aber auch da sei die Stimmung sehr angespannt gewesen, berichtete die Frau, die ihren Nachnamen nicht nennen will. «Das Hotelpersonal war aber sehr nett, da haben wir uns extrem sicher gefühlt», sagte die Frau nach ihrer Rückkehr am Frankfurter Flughafen.

«Wir sind froh, dass wir raus sind», sagte Robert Flanigan (69) aus Cloppenburg, nachdem er mit seiner Frau in Hannover gelandet war. Das ganze Hotel, in dem er Urlaub machte, sei geräumt worden. In Hannover wurde er von seinem Sohn, der Schwiegertochter und dem dreijährigen Enkel in die Arme geschlossen.

Mit in der Maschine nach Hannover saß auch der Schweizer Michael Kiefr mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern: «Wir hatten am Mittagstisch einen Zettel gefunden. Darauf stand, dass wir in einer halben Stunde bereit sein sollen», beschrieb er seine überstürzte Abreise. Manche Passagiere zeigten sich auch enttäuscht und verärgert über den jäh beendeten Urlaub: Die Reiseveranstalter würden die Urlauber einfach nach Hause schicken, ohne sich ein Bild von der Lage zu machen.

Unverständnis äußerte auch Ursula Schlützen: «Wir haben nichts gehört und nichts mitbekommen, ich weiß nicht, warum wir weg sollten», sagte die Frau aus Stade in Niedersachsen. Ähnlich erging es Hubert und Dorothea Kotzur aus dem Sauerland. Eigentlich hätten sie 14 Tage in Tunesien bleiben sollen, doch wegen der Rückholaktion war der Urlaub nach vier Tagen schon wieder vorbei. «Wir hatten nichts mitbekommen, ich wundere mich, dass die uns nach Hause geschickt haben, das war sehr unorganisiert, niemand wusste, wo wir hin sollen», erzählte das Paar.

Vor allem die Angehörigen in Deutschland hatten sich in den vergangenen Tagen zunehmend Sorgen um ihre Liebsten gemacht. Cornelia Matz wartete auf ihre Eltern Dieter und Barbara Vinx aus Wuppertal. Eigentlich sollten sie schon am Vortag ausgeflogen werden, doch weil der Luftraum gesperrt war, ging es zurück ins Hotel. Wegen eines Lieferstopps habe es dort kein Essen mehr gegeben.

Patrick Haas und Sabina Rings warteten in Frankfurt auf ihre Eltern. «Wir haben uns riesige Sorgen gemacht, aber jetzt wird alles gut», sagten die Geschwister aus Cochem an der Mosel. Aber ihre Eltern hätten mit Urlauben Pech. Bei ihrem letzten großen Trip 1991 - damals waren sie ebenfalls an der Ostküste Tunesiens - brach der Golfkrieg aus.

Konflikte / Soziales / Tunesien
15.01.2011 · 22:21 Uhr
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