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Report: Unterwegs am Deich

Ein Deichläufer prüft die Festigkeit des Deichs in der Nähe der brandenburgischen Ortschaft Neuzelle (Oder-Spree).Großansicht
Ratzdorf (dpa) - Hubschrauber kreisen am Himmel, Kolonnen von Feuerwehrfahrzeugen sind Richtung Oder unterwegs, Absperrbänder und Sandsäcke überall zu sehen.

Am Donnerstag, wenige Stunden vor dem erwarteten Eintreffen des Hochwasser-Scheitels im brandenburgischen Ratzdorf, herrscht eine angespannte Stimmung entlang der Oder. Angespannt, aber ruhig.

Am Pegelhäuschen in Ratzdorf, das Donnerstagmorgen 6,19 Meter anzeigt, versucht der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, aufgeregte Journalisten zu beruhigen. «Wenn wir 6,50 Meter erreichen, dann wäre das schon viel. Das wäre etwa ein halber Meter weniger als 1997. Und damals gab es den Deich noch nicht. Da stand das Wasser um diese Zeit schon zwischen den Häusern.» Der neue Deich sei mit einem Flächenfilter versehen worden. Der sauge das Wasser auf, ähnlich wie eine Windel. Es ist beruhigend, trockenen Fußes über den Deich gehen zu können.

Freude rechnet damit, dass sich der Hochwasserscheitel etwa zwei bis drei Tage in Ratzdorf hält. Das halte der Deich natürlich aus. «Dem ist es egal, ob das Wasser 4 Stunden oder 14 Tage bleibt.»

Trockenen Fußes über den Deich kommen, das würden auch Reinhard Lehmann und Lothar Müller gern. Die beiden Deichläufer sind seit dem frühen Morgen unterwegs, allerdings in ausgetretenen Turnschuhen. Sie halten nicht nur vom asphaltierten Weg aus Ausschau nach Treibholz und Sickerstellen, sondern steigen auch immer wieder in Wassernähe hinab. «Bislang haben wir aber nichts Gefährliches entdeckt», so die beiden, die seit Mittwoch jeweils von 6.00 bis 12.00 Uhr unterwegs sind. «Das Spannendste war ein Reh, das nach Polen schwamm», erzählt Lehmann.

1,50 Euro pro Stunde bekommen die beiden arbeitslosen, 46 und 59 Jahre alten Männer dafür, dass sie täglich 16 bis 20 Kilometer gehen und «aufpassen, dass das Wasser nicht durchläuft». Regenjacken gab es vom Arbeitgeber, dem Landkreis. «Auf feste Schuhe warten wir noch», sagt Müller. Das steigende Wasser sehen sie ganz gelassen. «Wir wohnen schließlich in Wellmitz, das liegt höher.»

Aber auch in Ratzdorf selbst sei die Stimmung noch ruhig, erklärt Dorfbewohner Ulrich Macht. «Die Leute interessieren sich schon dafür, wie hoch das Wasser steigt. Aber wir vertrauen auf die neuen Deiche», sagt der 68-Jährige. Ganz unbeeindruckt vom Rummel am Pegelhaus hackt er nur etwa 20 Meter entfernt in aller Seelenruhe Holz für die Gaststätte.

Unwetter / Hochwasser
27.05.2010 · 21:50 Uhr
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