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Report: Ungewissheit nach Absturz quält weiter

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Paris (dpa) - Das Schlimmste wäre, wenn sich die Frage nach dem Warum nicht beantworten ließe. Katastrophen sind immer schwer zu akzeptieren, aber es ist einfacher, wenn sie zu erklären sind.

Derzeit sieht es nicht danach aus, als ob die Hinterbliebenen bald mit Antworten rechnen können, was auf dem Nachtflug von Rio nach Paris tatsächlich passierte. Wie müssen sie sich die letzten Minuten ihrer Angehörigen an Bord vorstellen? Waren sie bei Bewusstsein, als das Flugzeug in die Tiefe trudelte? Wurde die Maschine in einem Feuerball in der Luft zerrissen? Gab es lange Panik an Bord oder ging alles sehr schnell?

Der Chef der französischen Ermittlungsbehörde BEA, Paul-Louis Arslanian, warnte am Mittwoch eindringlich vor wilden Spekulationen. «Wir wissen derzeit nichts», sagte er. «Stellen Sie sich darauf ein, dass die Untersuchungen sehr lange dauern können!» Die Medien verbreiten viele Theorien und Expertenmeinungen. Informationshäppchen werden aufgeblasen, Mutmaßungen für Fakten gehalten, Beispiele herangezogen, die belanglos bleiben.

Die Fluggesellschaft Air France hat selbst dazu beigetragen, indem sie sehr früh die Theorie eines Blitzeinschlags in Umlauf gebracht hat. Mittlerweile weiß fast jeder, dass ein Flugzeug einen Faraday-Käfig bildet, der Blitze ableitet. Fest steht bislang, dass das Flugzeug durch eine Gewitterzone flog, mehrere automatische Fehlermeldungen aussandte, aber kein Notfallsignal abgab. Es wurden nur kleinere Trümmerteile gefunden, was dafür spricht, dass das Flugzeug weitgehend zerstört wurde.

Die Suche nach Opfern, nach weiteren Flugzeugteilen und nach dem Flugschreiber werde sehr, sehr schwer werden, sagte Arslanian. «Die Maschine ist mitten im Atlantik abgestürzt», sagte er. In der Zone sei das Meer besonders tief, und es gebe gewaltige Gebirge am Meeresboden.

Nachdem die Suchflugzeuge die ersten Trümmer geortet haben, geht die Hauptaufgabe nun auf die Schiffe über. Derzeit sind allerdings nur drei Handelsschiffe in der Gegend, die nicht für solche Operationen ausgestattet sind. Das erste brasilianische Militärschiff sollte am Mittwochabend eintreffen, die beiden französischen Schiffe brauchen noch mehrere Tage. Bis dahin werden Trümmerteile, die jetzt noch an der Oberfläche treiben, möglicherweise gesunken sein. Schwimmende Gegenstände werden vom Wind und von der Strömung weiter im Atlantik verstreut. Das Festland ist mehr als 1000 Kilometer entfernt.

Die Experten untersuchen alles Material, das sie bekommen können - die Wartungsberichte der Maschine, Radar- und Satellitenaufnahmen und natürlich jedes Trümmerteil, das sie bergen können. Sollten sie den intakten Flugschreiber finden, ließe sich vermutlich klären, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Aber das scheint alles andere als wahrscheinlich. Zwar kann ein französischer Tauchroboter noch aus 6000 Metern Tiefe Gegenstände bergen, doch dazu müssten die Experten erst einmal wissen, wo sie suchen sollen.

Vielleicht werden die Flugschreiber nie gefunden, sagte Arslanian. Dann würde es sehr schwierig, den genauen Hergang zu klären. Die Angehörigen müssten sich dann schmerzvoll damit abfinden, nie die Wahrheit über das Ende ihrer Lieben zu erfahren.

Luftverkehr / Unfälle / Frankreich / Brasilien
03.06.2009 · 22:32 Uhr
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