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Report: Traurige Gewissheit? Wrackteile gesichtet

Paris/Rio de Janeiro (dpa) - AF 447 - dieses Kürzel werden sie wohl nie vergessen. Die Angehörigen der Passagiere und Crew- Mitglieder der Air-France-Maschine haben in der Nacht zu Dienstag vermutlich kaum geschlafen.

Zumindest die quälende Ungewissheit könnte für die unter Schock stehenden Familien und Freunde ein Ende haben: Die brasilianische Luftwaffe ortete 650 Kilometer nordöstlich der kleinen Atlantik-Insel Fernando de Noronha schwimmende Wrackteile.

«Es wurden metallische Gegenstände, ein Passagiersitz, eine orangefarbene Boje und Spuren von Öl und Kerosin entdeckt», sagte Luftwaffensprecher Jorge Amaral bei einer Pressekonferenz in Brasília. Die Wrackteile müssten nun geborgen und identifiziert werden, um sicher zu sein, dass sie zu der vermissten Air-France- Maschine gehören.

Die Angehörigen wurden über den Fund informiert. Viele brachen in Tränen aus. Die Luftwaffe hatte in der Nacht einen Teil der Route des Fluges AF 447 von Rio nach Paris abgeflogen. Die zehn Maschinen folgten dabei offensichtlich auch dem Hinweis eines Piloten der brasilianischen TAM-Airline. Er hatte auf einem Transatlantik- Flug in der Nacht zum Montag «orangefarbene Punkte» im dem Gebiet ausgemacht, in dem nun die Wrackteile gesichtet wurden.

In Rio de Janeiro erfuhren Angehörige in der Notfall-Zentrale vom Fund der Wrackteile. Die Familien und Freunde wurden von Psychologen und Medizinern betreut. Am Abend wollte sich Verteidigungsminister Nelson Jobim mit den Familien treffen.

Auch am Pariser Flughafen Charles de Gaulle, wo die Angehörigen vergebens auf die Ankunft des Fluges AF 447 gewartet hatten, waren Betreuerteams im Einsatz. Einige der Angehörigen hatten sich Sonnenbrillen aufgesetzt, andere schlugen die Hände vors Gesicht, als sie am Flughafen eintrafen. Sicherheitsbeamte leiteten sie direkt in einen separaten Raum weiter.

Am Mittwoch soll es für die Angehörigen der Opfer eine Gedenkfeier in der Pariser Kathedrale Notre-Dame geben. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will die Angehörigen in den kommenden Tagen in den Elysée einladen. Die französische Regierung bot den Angehörigen an, zur Absturzstelle zu reisen. Sollte sich der Fund des Wracks bestätigen, ist noch unklar, ob das Flugzeug überhaupt geborgen werden kann. Das hängt auch von der Tiefe der Fundstelle ab.

Die Familien der Passagiere sind einer extremen Schocksituation ausgesetzt. «Es ist normal, dass die Angehörigen das Unglück erst einmal leugnen und nicht wahrhaben wollen», sagte ein Vertreter des Roten Kreuzes, der sich um die Betreuung kümmerte. Besonders schlimm sei es, so lange nicht klar sei, was tatsächlich passiert ist. Darüber wird vermutlich nur die Blackbox an Bord der Unglücksmaschine Aufschluss geben können.

Was zum Absturz der Air-France-Maschine geführt haben könnte, war weiter völlig unklar. An Spekulationen mangelt es aber nicht: Sie reichen vom Blitzschlag bis zur Explosion. Bei den brasilianischen Fernsehsendern gaben sich die Luftfahrtexperten die Klinke in die Hand. Einer von ihnen brachte es auf den Punkt: «Alles ist möglich, aber wir wissen noch nichts.»

Luftverkehr / Unfälle / Frankreich
02.06.2009 · 17:05 Uhr
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