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Report: Serbische Extremisten bedrohen Staatsinteressen

Grenzübergang im KosovoGroßansicht

Pristina/Belgrad (dpa) - Seit Jahren wird der Kosovo-Konflikt von schwerer Gewalt geprägt. Beteiligt sind beide Seiten: die albanische Mehrheit wie die serbische Minderheit. Wer hinter den Extremisten steht, ist nicht immer auszumachen.

Nun aber bedrohen die jüngsten Ausschreitungen von Angehörigen der Kosovo-Serben die Staatsinteressen Serbiens - denn Belgrad hofft für Ende des Jahres auf den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Ohne Entspannung zwischen Serben und Albanern ist eine Annäherung an die EU undenkbar.

Die Staats- und Regierungsspitze Serbiens wird daher nicht müde zu beteuern, mit ihren gewalttätigen Landsleuten im Kosovo nichts zu tun zu haben. «Auf das Schärfste» verurteile Staatspräsident Boris Tadic die gewalttätigen «Extremisten, Hooligans und Kriminellen», die den Grenzübergang Jarinje in Schutt und Asche gelegt hatten. Der Regierungssprecher erklärte, Serbien habe mit den «Extremisten» nichts zu schaffen. Allerdings handele es sich nicht um eine «spontane, sondern gut organisierte» Aktion.

Wenn man diesen Beteuerungen Glauben schenkt, bleibt für viele Beobachter eigentlich nur ein Drahtzieher hinter den Kulissen: die serbischen Geheimdienste. Auch die heimischen Medien hatten immer wieder berichtet, wie der zivile Dienst BIA und die Militärdienste VOA und VBA als «Staat im Staate» sich traditionell jeder politischen Kontrolle entziehen.

Erst im vergangenen Oktober verwüsteten rechtsextreme Randalierer die Innenstadt von Belgrad nach einem von tausenden Polizisten gesicherten Umzug eines Häufchens Homosexueller. Auch hier habe es eine organisierende Hand gegeben, behaupteten die Behörden. Doch aufgedeckt wurden die Hintermänner bis heute nicht.

Vor dreieinhalb Jahren brannten in Belgrad die Botschaften der USA und Kroatiens lichterloh - angezündet von einer Meute wütender Nationalisten. Zahlreiche andere Botschaften, auch die deutsche, wurden ebenfalls angegriffen. Spätere Videoaufnahmen und journalistische Recherchen ergaben, dass die Menge offensichtlich von Agenten der Geheimdienste aufgestachelt und angeführt wurde. Bis heute freuen sich die damaligen Täter über Straffreiheit - möglicherweise ein Stolperstein auf dem Weg Serbiens nach Brüssel.

Über die Motive der serbischen Gewalttäter und ihrer Organisatoren im Hintergrund kann nur spekuliert werden. Bekannt ist, dass die serbischen Geheimdienste im Norden Kosovos ihren einträglichen Schmuggelgeschäften nachgehen. Sie nutzen dort den praktisch gesetzlosen Raum ohne Gerichte und Polizei. Undurchsichtige Verbindungen zwischen Diensten, einzelnen Familienclans, Mafiastrukturen und nicht zuletzt der serbischen Politik haben in den letzten Jahre gut funktioniert.

Die dauerhafte Übernahme der beiden bisher serbisch beherrschten Grenzübergänge Jarinje und Brnjak durch die Kosovo-Regierung bedeuteten für diese kriminellen Geschäfte das Aus. Daran können die bisherigen Profiteure kein Interesse besitzen. Den serbischen Regierungsparteien dürften die Unruhen im Kosovo wegen der bevorstehenden Parlamentswahlen nicht ganz ungelegen kommen. So kann doch von der Wirtschaftsmisere im eigenen Land abgelenkt werden, die der amtierenden Regierung eine herbe Niederlage bescheren könnte.

Kosovo / Konflikte / Serbien
28.07.2011 · 22:45 Uhr
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