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Report: Ruhe im Stuttgarter Schlossgarten

Stuttgart (dpa) - Durchatmen bei einem Teil der Demonstranten und gleichzeitig Organisation neuer Kundgebungen: Für kommenden Samstag (9. Oktober) planen die Gegner des umstrittenen Bahnhofsumbaus in Stuttgart eine weitere «große Protestaktion».

Das kündigt Gangolf Stocker, Chef der Bürgerinitiative «Leben in Stuttgart - kein Stuttgart 21» an. «Es klappt nicht mehr, dass die Politik versucht den Bürgern einzureden: Widerstand ist zwecklos.»

Bis zu 100 000 waren nach Veranstalterangaben am Freitagabend gegen das umstrittene Milliardenvorhaben auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von 50 000 Demonstranten. «Die Politik setzt darauf, dass der Protest nachlässt. Das wird nicht der Fall sein», ist sich Stocker sicher. Bereits am Montag steht die inzwischen traditionelle Kundgebung vor dem Nordflügel des Bahnhofs an. «Da werden es sicherlich nicht so viele sein. Ich rechne so mit 10 000 Teilnehmern», sagt Stocker am Samstag.

Am Tag nach der bislang größten Demonstration gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist die Stimmung im Schlossgarten ruhig und friedlich. Über hundert Gegner sitzen oder stehen am Samstagmorgen auf der total zertrampelten Wiese, die am Donnerstag zum Schlachtfeld zwischen hunderten Polizisten und tausenden Demonstranten wurde. Einige Aktivisten sind noch müde, viele aber auch sauer. Der Stuttgarter Stephan Raufer ärgert sich massiv über die Politik der schwarz-gelben Landesregierung von Baden-Württemberg. «Die wollen nur die planierte Fläche sehen. Das ganze Projekt soll einfach durchgezogen werden.»

Raufer spricht vielen Gegnern aus dem Herzen. Auf den Stufen des Rondells am Rande des Schlossgartens sitzt ein 18-Jähriger in seinem Schlafsack. Er campierte unter dem Vordach mit mehreren Aktivisten die Nacht über. «Ich habe schon öfters im Park übernachtet», erklärt der junge Mann, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. Manche der Gegner verbrachten die Nacht aber auch unter aufgestellten Sonnenschirmen oder in improvisierten Zelten aus Planen oder Plastiktüten. Die Rasenfläche ist matschig. Die Nacht über hat es geregnet.

Die Stimmung nach der Großdemonstration am Freitagabend sei friedlich und entspannt, erklärt der 18-Jährige während die Baggerarbeiten fortgesetzt werden. Aus der Ferne ist das Geräusch eines Presslufthammers zu hören. Es wird am Fundament für die Grundwasserregulierung gearbeitet. Die Bauarbeiter sind unter Polizeischutz tätig, hinter grünen Absperrgittern. Alle paar Meter stehen Beamte in kleinen Gruppen in ihren grünen Regencapes. Manche der Polizisten unterhalten sich mit Gegnern des Bahnprojekts an den Gittern. Die Polizei ist nur im Bereich des abgesperrten Geländes zu sehen. Sonst hält sie sich demonstrativ zurück. Hintergrund der neuen Taktik ist wahrscheinlich die scharfe Kritik am Einsatz mit Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcken vom vergangenen Donnerstag, bei dem hunderte Protestierer verletzt wurden.

Um die Bäume und auf den Rasenflächen stehen Grableuchten. Ein Aktivist von Robin Wood stellt sie vor einem besetzten Baum wieder auf und zündet sie an. Eine 27 Jahre alte Frau, die eigenen Angaben zufolge eine Woche auch an der Baumbesetzung beteiligt war, berichtet: «Oben auf dem Baum bleibt man trocken.» Während manch ein Jogger seine Runden in dem Park läuft, säubern Mitarbeiter des städtischen Reinigungsdienstes die Wege und räumen den Müll weg.

An den Bäumen hängen Plakate mit Rücktrittsforderungen an Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU). Die Parkschützer, die sich vehement gegen das geplante Fällen weiterer Bäume einsetzen, planen weitere Aktionen. Sprecherin Carola Eckstein will aber noch keine konkreten Details nennen. Die Stimmung unter den Gegnern des Bahnhofsumbaus sei schockiert, sagt sie mit Blick auf den umstrittenen Polizeieinsatz. «Es geht um die Grundwerte der Gesellschaft.» Das sorge für Zulauf bei den Kundgebungen ist sich Eckstein sicher.

Verkehr / Bahn / Stuttgart 21
02.10.2010 · 22:01 Uhr
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