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Report: Pittsburgh im Gipfelglanz

Berittene Polizisten vor dem Benedum Center in Pittsburgh, wo das G20-Treffen stattfindet.
Washington (dpa) - Die Reporterschar im Weißen Haus konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als Präsidentensprecher Robert Gibbs das Geheimnis um die Gastgeber-Stadt des nächsten G20-Gipfels enthüllte: Pittsburgh.

Eine Weltmetropole vom Kaliber Pekings oder Paris war für das Treffen der 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte erwartet worden. Aber Pittsburgh, im kollektiven US-Gedächtnis als abgewrackte Stahlstadt eingebrannt, hatte kaum jemand auf der Rechnung.

Für Präsident Barack Obama ist die Stadt im Südwesten des Staates Pennsylvania hingegen ein Musterbeispiel. Pittsburgh, gab er unlängst zu Protokoll, «hat sich gewandelt vom der Stadt des Stahls in ein Zentrum für High-Tech-Innovation - einschließlich grüner Technologie, Bildung, Forschung und Entwicklung». Also so, wie der Präsident sich die Zukunft der größten Volkswirtschaft der Welt im Großen und Ganzen vorstellt. Und Pittsburgh mit seinen rund 300 000 Einwohner hat durchaus Grund, im Rampenlicht des nunmehr dritten Weltfinanzgipfels - nach Washington und London - zu glänzen. «Die Stadt bereitet sich auf ihre Coming-Out-Party vor», befand das US-Magazin «Forbes».

«Wenn die Leute in Washington kichern, dann verstehen sie Pittsburgh nicht, waren wahrscheinlich noch nie hier», sagte Paul Hennigan, Präsident der Point-Park-Universität, der «New York Times». Wie viele andere neue Bildungsstätten half auch seine Hochschule, der Stadt neues Leben einzuhauchen, deren Herz, die Stahlindustrie, Anfang der 80er Jahre einen tödlichen Infarkt erlitten hatte. Pittsburgh geriet zum Sinnbild urbanen Niedergangs, zum Symbol eines schmerzhaften Strukturwandels. Die «Stadt der Brücken» und ihre Region verloren damals 120 000 oder in etwa die Hälfte der Jobs im verarbeitenden Gewerbe.

Jetzt geben Gesundheit und Bildung als wichtigste Branchen den Menschen Lohn und Brot. Das Medizinische Zentrum der Universität von Pittsburgh (UPMC) ist mit 50 000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Westen Pennsylvanias. Mehr als 100 000 Jobs entstanden durch das Geschäft mit der Medizin, über 70 000 Menschen arbeiten in Forschung und Entwicklung an den 35 Universitäten im Großraum der Stadt. Mit 7,8 Prozent lag die Arbeitslosigkeit beispielsweise im Juli deutlich unter dem damaligen Landes-Durchschnitt von 9,4 Prozent.

Die Wiederauferstehung Pittsburghs ist nach Einschätzung des Wirtschaftsmagazins «Economist» teils guter langfristiger Planung zuzuschreiben, teils organischer Entwicklung. Der Staat sprang mit Investitionen ein, während Unis und städtische Verantwortliche Wirtschaftsstrategien entwickelten und umsetzten. Statt wie früher nur auf eine Branche zu setzen, sind die ökonomischen Grundlagen nun breitgefächert. «Pittsburgh hatte keine Wahl», sagte Stadtrat Bill Peduto zu «Forbes». «Es galt: Diversifiziere oder sterbe.»

Nicht, dass alles eitel Sonnenschein wäre in Pittsburgh. Die Stadt schrumpft, in den vergangenen Jahren um fast 100 000 Einwohner. Die Arbeitslosigkeit ist auf dem höchsten Stand seit 1994. Vor sechs Jahren schrammte man knapp am Bankrott vorbei. Zum Gipfel werden stumme, aber unübersehbare Zeugen des Niedergangs wie leere Ladenzeilen oder Grafitti-Schmierereien mit Planen zugehängt, heißt es. Die Zahl der städtischen Beschäftigten wurde um ein Viertel eingedampft. Immerhin ging der irrwitzige Immobilien-Boom, der jetzt Florida oder Kalifornien zu schaffen macht, an Pittsburgh vorbei.

Doch hält «Forbes» die Stadt für einen der besten Orte für Jobwachstum. Das Magazin «Economist» adelte Pittsburgh gar als lebenswerteste Stadt der USA, dank gut bezahlter Jobs, niedriger Lebenshaltungskosten und guter Schulen. Das Pittsburgh Symphony Orchestra und die Oper zählen zu den besten des Landes.

Ihren Charakter hat die Stadt trotz aller Auf und Abs aber erhalten, weiß «Forbes»-Kolumnistin Raquel Laneri. Die Pittsburgher sind weit über die Stadtgrenzen als fanatische Sportfans, die lokale Küche wird von einem Sandwich mit Namen Primanti dominiert: Fleisch, Weißkohl und Fritten zwischen zwei Scheiben Brot - «eine echtes kulinarisches Abenteuer», befindet Laneri. «Pittsburgh ist, mit anderen Worten, eine Großstadt mit Kleinstadt-Charakter. Oder vielleicht eine Kleinstadt mit Großstadt-Ideen.»

G20 / Gipfel
24.09.2009 · 12:31 Uhr
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