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Report: Opelaner in Wut und Angst

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Rüsselsheim (dpa) ­ Am Werkstor 45: Ein Opelaner kommt aus der Pause zurück und zeigt seinen Mitarbeiterausweis dem Wachmann im Glaskasten. Tagtägliche Routine in der Autostadt Rüsselsheim, mit der es für manchen jedoch schon bald vorbei sein könnte.

«Was soll ich schon sagen», murrt Uwe, der Fließbandarbeiter will seinen Nachnamen nicht nennen. «Natürlich habe ich Angst um meinen Arbeitsplatz. Das geht uns doch derzeit allen so.» Besonders schlimm findet der 49-Jährige die Ungewissheit. «Erst heißt es: Es gibt einen Investor, dann überlegt es sich General Motors wieder anders. Nur an uns Mitarbeiter denkt keiner.» Unter den rund 25 000 Opelanern in Deutschland machen sich Wut und Angst breit.

Nicht nur Uwe sprechen da die Zeilen eines Mutmach-Liedes an, das die deutsche Nachwuchs-Rocksängerin Liza extra für ihn und seine vielen Kollegen komponiert hat und das am Dienstag vorgestellt wurde. Dort heißt es: «Das läuft jetzt schon seit Wochen so. Fühlst Dich nirgendwo ­ zwischen irgendwo, und endlos. Weil Du nicht weißt, was morgen ist.» Auch wenn im ganzen Lied an keiner Stelle der Name Opel fällt ­ Uwe weiß, dass er gemeint ist, wenn er den Titel hört: «Gebt nicht auf!» «Wir freuen uns über jeden Zuspruch, den wir kriegen können», sagt der langjährige Opel-Mitarbeiter.

Werksfeuerwehrmann David Henninger passt am Hauptportal des Opel- Werks auf, dass sich niemand unkontrolliert Zutritt verschafft. Für jeden Mitarbeiter hat der 51-Jährige ein freundliches Lächeln übrig, macht Scherze. Beim Stichwort General Motors versteht er allerdings keinen Spaß: «Die haben den Karren an die Wand gefahren, und jetzt wollen die am Ende doch noch weiter machen», ereifert er sich. «So wie GM selbst wirtschaftlich aufgestellt ist, ist eines klar: Mit denen haben wir keine Zukunft.» Sein Wunsch: Der Autozulieferer Magna solle den Zuschlag für Opel bekommen.

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz drohte am Dienstag mit Konsequenzen, sollte Opel weiterhin bei GM bleiben. «Wir als Arbeitnehmer würden das nicht akzeptieren», sagte er dem Audiodienst der dpa. In diesem Fall werde die Belegschaft sämtliche Beiträge zurückfordern, die sie zur Sanierung des Unternehmens geleistet habe. «Wenn über die Zukunft von Opel weiter in Detroit entschieden wird, werden sehr viele Arbeitsplätze in Deutschland und Europa dabei unter die Räder kommen», warnte Franz. Der Gedanke an diese Möglichkeit frustriere und mache wütend: «Es ist für die Leute schon jetzt ein langer, quälender Prozess.»

«Könnt ihr die Zukunft sehn? Sie sagt, ihr könnt es schaffen!» ruft Sängerin Liza den Opelanern zu. Sie hat nur drei Tage gebraucht, um ihre Motivationshymne auf die Beine zu stellen ­ das Tauziehen um Opel nimmt dagegen kein Ende.

Auto / Opel
25.08.2009 · 22:56 Uhr
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