News
 

Report: Moskau holt Spione heim

Blick am 10.02.1962 auf die Glienicker Brücke in Berlin, auf der kurz zuvor der Austausch von US-Pilot Gary Francis Powers gegen den sowjetischen Spion Rudolf Iwanowitsch Abel stattgefunden hatte.Großansicht
Moskau (dpa) - Der Erfolg macht den Unterschied: Als Sowjetspion Rudolf Abel 1962 aus US-Haft nach Moskau zurückkehrte, wurde er mit Auszeichnungen überhäuft.

Dagegen dürften die in Wien ausgetauschten russischen Agenten in der Heimat vor allem Häme erwarten. Eine Kostprobe gibt das Boulevardblatt «Moskowski Komsomolez»: Der Kreml hole «Amateure» heim, während enttarnte verdienstvolle Spione weiter in «US-Folterkammern» schmoren müssten.

Vermutlich lässt der russische Geheimdienst diesmal die Orden in der Schublade, dennoch werde er gut für seine aufgeflogenen Mitarbeiter sorgen, meinen Experten - allein schon, um zu zeigen, dass der Kreml seine Agenten nicht im Regen stehen lasse.

Vor der Rückkehr der Spione nach Moskau hätten deren Anwälte mit den russischen Behörden eine angemessene Unterkunft und ein regelmäßiges Gehalt vereinbart, hieß es. Das Außenministerium in Moskau habe zudem zugestimmt, dass Kinder, Freunde und Verwandte einiger Agenten ohne Probleme in Russland einreisen dürften.

Allgemein wird erwartet, dass die russischen Staatsbürger eine neue Identität erhalten - woran die meisten gewohnt sein dürften: Auch während ihrer verdeckten Tätigkeit in den USA trugen sie falsche Namen. «Aber falls sie beim Geheimdienst bleiben, dann wohl höchstens im Innendienst», meinte die Politologin Swetlana Panarina.

«Nach ihrer Ankunft erwartet die Agenten eine normale ärztliche Untersuchung und eine etwas weniger normale Unterredung mit ihren Führungsoffizieren», sagte ein namentlich nicht genannter Geheimdienstmitarbeiter im russischen Staatsfernsehen. Dass die zehn Männer und Frauen danach Kontakt zueinanderhalten würden, sei nahezu ausgeschlossen: «Klassentreffen gehören nicht zum Verhaltensmuster von Aufklärern.» Auch mit einem Medienauftritt sei nicht zu rechen.

Bis zum Ausbruch der Spionageaffäre Ende Juni kannten viele Russen Fernsehbilder gescheiterter Kreml-Agenten wohl vor allem aus James- Bond-Filmen wie «Liebesgrüße aus Moskau». Schließlich gilt ausgerechnet der fiktive Sowjetagent Max Otto Stirlitz, der im Film seine Gegner reihenweise besiegt, als einer der beliebtesten TV-Helden des Landes.

Blogger in Russland trauen der ausgetauschten Spionin Anna Chapman zu, auch in der Heimat zu einem ähnlichen Medienstar zu werden. Die Boulevardpresse rund um den Globus feiert die attraktive 28-Jährige, die perfekt dem im Westen verbreiteten Klischee einer männermordenden KGB-Agentin entspricht, in den vergangenen Wochen als «Russisches Bondgirl». Doch Anna Kuschtschenko - so ihr Geburtsname - wird wohl kaum in Talkshows zu sehen sein.

Auch an Büchern und Filmen will die «Immobilienmaklerin» nicht mitwirken: Vor ihrer Ausreise aus den USA musste Anna Chapman den Behörden garantieren, ihre tollkühne Geschichte nicht zu vermarkten. Eine Sonderbriefmarke von ihr dürfte es ebenfalls nicht geben. Das war bei dem 1971 gestorbenen «Superspion» Abel, der wesentlich am Verrat von US-Atomgeheimnissen an Moskau beteiligt war, ganz anders.

Spionage / Justiz / Russland / USA
10.07.2010 · 10:04 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
26.07.2017(Heute)
25.07.2017(Gestern)
24.07.2017(Mo)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen