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Report: Mit 300 Schuss Munition ins Krankenhaus

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Lörrach (dpa) - Das katholische St. Elisabethen-Krankenhaus in der Innenstadt von Lörrach ist noch immer abgeriegelt, die Polizei sucht nach Spuren. Schritt für Schritt wird der Tathergang rekonstruiert. Die Suche nach dem Motiv der Amokläuferin Sabine R. macht erste Fortschritte. Die 41-jährige Anwältin und Sportschützin galt als psychisch angespannt und lebte von ihrem Mann getrennt. Sie soll sich mit ihm um den fünfjährigen Sohn gestritten haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie ihren Mann erschossen hat, die Todesursache des Kindes bleibt zunächst offen.

Am Tag nach der Tat mit insgesamt 4 Toten und 18 Verletzten steht die Kleinstadt im Süden Baden-Württembergs weiter unter Schock. «Wir setzen die Spuren und Erkenntnisse zusammen und versuchen, uns daraus ein Bild zu machen», sagt Polizei-Einsatzführer Michael Granzow. Die Täterin hatte insgesamt vier Waffen angemeldet. 2004 hatte sie in dem Lörracher Krankenhaus, durch das sie in der Nacht zum Montag als Amokläuferin zog, eine Fehlgeburt erlitten. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist unklar.

Gegenüber vom Krankenhaus, direkt in der Innenstadt in der Lörracher Markus-Pflüger-Straße, hatte sie vergangenen Dezember in einem Mehrfamilienhaus ihre Kanzlei bezogen. Dieses Gebäude wurde in der Todesnacht zum ersten Tatort. Möglicherweise war ein Trennungsstreit oder eine Auseinandersetzung um den Sohn der Auslöser für die Tat. Zuerst, so die Polizei, tötete die Juristin den Mann und dann möglicherweise das Kind. Das Paar hatte sich im Juni getrennt. Der Sohn war bei der Mutter nur zu Besuch, der Vater wollte ihn abholen.

Danach ließ Sabine R. die Wohnung explodieren. Die Wucht der Explosion war derart heftig, dass eine ganze Hauswand herausgesprengt wurde. Den Ermittlern zufolge hatte die Frau großflächig Brandbeschleuniger in der Wohnung verteilt. Anfangs war die Polizei davon ausgegangen, es habe sich um die Wohnung des Mannes gehandelt. Diese Angaben wurden aber im Laufe des Tages korrigiert.

Nach dem Familiendrama stürmte die Frau mit einer Sportwaffe Kaliber 22 und einem Dolch in der Hand das gegenüberliegende Krankenhaus. Auf der Straße davor sorgte sie mit wahllosen Schüssen auf Menschen für Angst und Schrecken. Sie ging gezielt zur gynäkologischen Abteilung und tötete einen Pfleger. Außerdem verletzte sie zwei Passanten sowie einen Polizisten. «Es waren Zufallsopfer», sagt Granzow.

Im Krankenhausflur kam es zu einer Schießerei. Sabine R. ging in Deckung, wechselte mehrmals das Magazin. Wie viel Munition sie abfeuerte, ist noch nicht geklärt. In den Zimmern verbarrikadierten sich Patienten und Bedienstete. Mehr als zehnmal feuerte die Frau auf die Tür eines Patientenzimmers, in dem sich sechs Menschen aufhielten.

Sabine R. schoss auch auf die Polizisten, die nach den Notrufen vor Ort waren. Sie erwiderten das Feuer. Getroffen brach die Amokschützin im Krankenhausflur zusammen. Sie war sofort tot. In Wänden und Türen der Klinik stecken noch am Tag danach unzählige Projektile.

An einen Amoklauf durch eine Frau kann sich bei der abschließenden Pressekonferenz keiner der Ermittler erinnern. In den nächsten Tagen sollen weitere Hintergründe der Bluttat ermittelt werden. Ganz Lörrach trauert, sagt die Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm (CDU). «Ich bin über das Stadium der Fassungslosigkeit über solche menschlichen Abgründe noch immer nicht hinweg gekommen.»

Kriminalität
20.09.2010 · 22:30 Uhr
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