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Report: Millionen für die Freiheit

New York (dpa) - Dominique Strauss-Kahn kommt vorerst frei, aber nach Barack Obama könnte der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds der am besten bewachte Mann der USA sein.

Ständig mindestens ein bewaffneter Wächter, Kameras in der ganzen Wohnung, jeder Schritt protokolliert - und zusätzlich eine beispiellose Kaution im Gesamtwert von sechs Millionen Dollar. Bis zu einem Urteil kommt der Franzose frei, aber einen Prozess wird es geben. Denn fast gleichzeitig zu der Kautionsentscheidung verkündete eine Grand Jury, dass der 62-Jährige wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt wird.

Als der Franzose vorgefahren wurde, war er noch Häftling. Bislang bestand sein Leben aus teuren Restaurants, edlen Hotels, Limousinen aus deutscher Produktion und Erste-Klasse-Sesseln in Flugzeugen. Aus einem solchen in einer Air-France-Maschine wurde er am Samstag festgenommen, weil er zuvor in seiner 3000-Dollar-Suite ein Zimmermädchen angegriffen haben soll. Er habe ihr Anal- und Oralsex aufzwingen wollen, sagte die 32-Jährige am Mittwoch vor der Grand Jury aus, die 24 Stunden später die Anklage beschloss.

Seitdem ist für die Frau und auch für «DSK» nichts mehr, wie es war. Sie hält sich mit Hilfe der Polizei versteckt, er kam in eine Einzelzelle auf Rikers Island, einer Gefängnisinsel im New Yorker East River, zusammen mit 14 000 anderen Häftlingen - Untersuchungsgefangene, aber auch Mörder, Räuber, Schläger. Statt im edlen Anzug steckte der Franzose in einem Blaumann aus Spezialstoff, der sich nicht in Streifen reißen lässt. So soll verhindert werden, dass ein lebensmüder Häftling sich eine Schlinge knotet und aufhängt. Standardprozedur auf Rikers Island.

Der Flur vor dem Verhandlungssaal im 13. Stock war schon Stunden vor der Anhörung voll. Vor allem Französisch war immer wieder zu hören, schließlich sollte «DSK» im nächsten Jahr für die Sozialisten Präsident Frankreichs werden. Als seine Frau erscheint, wird sie von einer Tochter aus einer früheren Ehe Strauss-Kahns gestützt. Sie sieht gezeichnet aus und trägt über dem grauen Etuikleid einen schwarzen Blazer, auch die Tochter kommt in schwarz. Strauss-Kahn trägt dunkles Grau über dem offenem Hemd, lächelt kurz und setzt sich.

Der Streit zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung ist bitter, doch letztlich gewährt der Richter Freiheit - zu einem beispiellos hohen Preis. Strauss-Kahn muss nicht nur seine beiden Reisepässe abgeben und die angebotene Million Dollar (700 000 Euro) in bar hinterlegen. Der Richter will weitere fünf Millionen als Garantie, für die Strauss-Kahn als Sicherheit seine Häuser anbieten kann.

Doch sein Leben wird auch in Freiheit nicht frei sein. Eine Sicherheitsfirma wird beauftragt, den Franzosen ständig zu begleiten - bewaffnet. Die Männer sollen jeden Schritt, jeden Besucher, jede Bewegung protokollieren. In der Wohnung, die seine Frau angemietet hat und in der beide wohnen sollen, dokumentieren Überwachungskameras jede Sekunde. Immerhin: Der Bonvivant kann in teuren Betten schlafen und edles Essen bestellen.

Eine Siegesparty war dem Franzosen aber nicht vergönnt. Denn nach der Entscheidung musste er erst einmal wieder in seine Einzelzelle auf der Gefängnisinsel zurück. Die geht erst auf, wenn die Million da ist. Dann kann Strauss-Kahn die teure Freiheit genießen.

Kriminalität / Finanzen / rpt rpt rpt / USA
20.05.2011 · 09:41 Uhr
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