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Report: Merkels TV-Show und die endlose Euro-Krise

Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast bei Günther Jauch.Großansicht

Berlin (dpa) - «Ich bin gut beschäftigt», sagt Angela Merkel. Es ist eine drastische Untertreibung. Die Kanzlerin, die nicht gern in Talkshows geht, ist einziger Gast bei Günther Jauch. Sie will in dieser Stunde am Sonntagabend via TV ihr Krisenmanagement für den Euro in der Schuldenkrise erklären.

Sie will dem Eindruck entgegentreten, es sei vor allem ein Krisenmanagement für die zerstrittene schwarz-gelbe Koalition. Und sie möchte den Zuschauern die Unsicherheit über die Zukunft von Währung und Wohlstand nehmen.

Der Auftritt in diesem Format, mit einem Moderator, der zwar kritische Fragen stellt, bei ausweichenden Antworten jedoch nicht hartnäckig nachfragt, darf aber auch als Signal an die eigene Fraktion verstanden werden. Es wird kein Zufall sein, dass Merkel sich das erste Mal in dieser Legislaturperiode ausgerechnet jetzt so im Fernsehen zeigt. An diesem Donnerstag stimmt der Bundestag über den erweiterten Euro-Rettungsschirm EFSF ab.

Es ist nicht sicher, ob Merkel die Kanzlermehrheit (311 von 620 Stimmen) bekommen wird. In Union und FDP gibt es Euro-Skeptiker, die bei ihrem Nein bleiben wollen. Steht das Land vor einer Neuwahl, vor einem politischen Umbruch? Die Koalition «steckt jetzt (...) in einer sehr komplizierten, schwierigen Situation», bekennt Merkel ernst.

Dann macht sie sich, für ihre Verhältnisse emotional, für Europa stark: «Ich bin davon überzeugt, dass Europa gut für uns ist.» Ohne Euro stünde der Exportweltmeister Deutschland heute nicht so gut da. Euro und Europa - «das lohnt jede Anstrengung». Merkel gibt sich alle Mühe, alles der Reihe nach durchzudeklinieren.

Jetzt brauche es demnach erstmal den EFSF - sonst schwappt die Krise vielleicht auf die anderen Euroländer über. Die «Troika» von Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission müsse zudem Griechenland vor der Auszahlung weiterer Milliarden beurteilen: «Die müssen für uns sagen: Schaffen sie das - oder schaffen sie das nicht?» Sonst müsse man über Mechanismen nachdenken. Welche das sind, lässt Merkel offen.

Dann aber seien die geplanten umfassenderen Regeln nötig, um Staaten auch notfalls insolvent gehen zu lassen. Und schließlich dringt Merkel auf Härte gegen jene Staaten, die gegen die Stabilitätsvorgaben verstoßen: «Wir müssen daran arbeiten, Vertragsänderungen zu haben, dass man wenigstens vor dem Europäischen Gerichtshof ein Land verklagen kann. (...) Wer sich nicht daran hält, der muss dazu gezwungen werden.» Für Deutschland, für Europa, für Gott - sogar ein religiöses Bekenntnis legt Merkel anlässlich des soeben beendeten Papst-Besuchs noch ab. «Mir hilft, dass ich Christ bin. (...) Und dass wir die Aufgabe haben, um das Beste zu ringen.»

Schon am Montag kochen dann wieder neue Spekulationen hoch, die Finanzkraft des EFSF solle über einen Kredithebel und mit Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) quasi auf unbegrenzte Mittel erweitert werden. Die FDP schreit auf und verlangt eine Klarstellung der Kanzlerin, dass das nicht so komme. Mag Merkel mit Jauchs Talkshow noch Gemüter beruhigt haben - lange halten muss das nicht.

Für Jauch und die ARD ist es ein Coup, dass die Kanzlerin in seine Sendung gekommen ist. Schließlich konnte kein Konkurrent zuletzt einen solch hochkarätigen Gast vorweisen. Die Zuschauer trieb das allerdings nicht in Scharen vor die Fernseher. Knapp 4,3 Millionen Menschen schalteten ab 21.45 Uhr die einstündige Sendung «Günther Jauch» ein. 4,6 Millionen war es noch vor einer Woche und 5,1 Millionen bei der Premiere des Neu-ARD-Talkers vor zwei Wochen.

Friedrich Küppersbuch, einst als «ZAK»-Moderator ein scharfer Interviewer, kritisierte am Montagmorgen Jauch bei radioeins vom RBB: «Da war null Aggression im Spiel (...) Er hat alles angesprochen und nix nach Hause gebracht.» Manch Zuschauer hat es aber vielleicht auch als wohltuend empfunden, dass der Gast aussprechen durfte. Das ist in vielen Talkshows ja auch keine Normalität mehr. Was es Merkel gebracht hat, kann sie vielleicht am besten am Donnerstag beurteilen.

Finanzen / EU / Koalition / Bundeskanzlerin
26.09.2011 · 22:54 Uhr
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