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Report: Leichen in der Ankunftshalle

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Moskau (dpa) - Trümmer, Rauch, Chaos: Schon die ersten Bilder nach dem blutigen Anschlag im internationalen Flughafen Moskau-Domodedowo lassen das verheerende Ausmaß des Terroranschlags erahnen.

Dutzende Leichen liegen im Ankunftsbereich, Verletzte werden herausgeschleppt und in die umliegenden Kliniken transportiert. «Alles muss getan werden, damit die Verwundeten medizinische Hilfe erhalten», sagt Kremlchef Dmitri Medwedew sichtlich erschüttert im Staatsfernsehen.

Fest steht: Um 16.32 Uhr Ortszeit (14.32 Uhr MEZ) sprengt sich mindestens ein Selbstmordattentäter im öffentlichen Teil des internationalen Ankunftsbereichs in die Luft - dort, wo die Fluggäste ihre wartenden Angehörigen treffen. Mindestens 35 Menschen sterben. «Ich bringe euch alle um!», soll der Attentäter noch gerufen haben, berichtet der Fernsehkanal Westi. Dann zündet der etwa 35-Jährige mit «arabischem Aussehen» den Sprengsatz mit der Wucht von mindestens sieben Kilogramm TNT.

Die Detonation zerstört einen Teil der Deckenbekleidung und löst einen kleinen Brand aus. Viele Verletzte werden auf einem nahen Parkplatz versorgt. Ihr Blut färbt den Schnee vor Domodedowo rot.

Die Staatsagentur Ria Nowosti schildert Szenen wie aus einem Horrorfilm. Die Explosion habe das zweite Stockwerk des Flughafens stark zerstört, Gepäckwagen seien grotesk ineinander verflochten, der Boden sei übersät von Blutlachen. Alles sei von Staub überdeckt. Drehtüren am Ausgang sowie Fenster seien von panisch fliehenden Menschen zerdrückt worden.

«Menschen schrien und liefen um ihr Leben», erzählt Sergej Lawotschkin über Telefon dem Staatsfernsehen. «Es war ein riesiges Gewimmel.» Besonders heimtückisch: Der Sprengsatz sei mit Metallteilen gefüllt gewesen, sagt ein Ermittler. «In den Körpern vieler Opfer stecken Nägel und Schrauben», berichtet ein Arzt.

«Wir suchen drei Verdächtige», sagte ein namentlich nicht genannter Ermittler der Agentur Itar-Tass. «Die Männer sind auf dem Video einer Überwachungskamera zu sehen, wie sie die Kontrollen umgehen.»

Medwedew befiehlt umgehend, die Sicherheitskontrollen an Flughäfen im Land zu verschärfen. Die Polizei wird in Alarmbereitschaft versetzt, auch in der Moskauer Metro kontrollieren die Sicherheitskräfte nun verstärkt.

Das sonst so hervorragend informierte Staatsfernsehen wirkt hilflos: Wegen eines Quasi-Embargos der Behörden ist der Sender auch Stunden nach dem Attentat auf Handyvideos aus dem Internet angewiesen. Traditionell kontrollieren die oft autoritär agierenden Behörden in Russland nach Anschlägen genau, was sie zeigen. Zwar gibt es Bilder von Überwachungskameras, diese werden aber zunächst nicht freigegeben. Vom Blut und Chaos nach dem Anschlag berichten zunächst nur Augenzeugen.

«Ich war gerade aus Wien gelandet, da hörte ich einen mächtigen Knall», erzählt Waleri Lawrow dem Internetportal «life.ru». «Beißender Geruch durchzog die Luft und brannte in den Augen», schildert der Musiker.

«Ich bin kurz nach 16 Uhr aus London angekommen, habe mein Gepäck abgeholt und bin zur Halle gegangen», erzählt ein Passagier namens Alexander. «Nach der Detonation bin ich aus dem Flughafen gerannt, ein Freund hat mich abgeholt, wir sind sofort geflüchtet.»

Taxifahrer verlangen nach dem Anschlag Wucherpreise von 500 Euro für Fahrten ins Zentrum - zehnmal so viel wie üblich. Hingegen ist der Schnellzug ins Stadtzentrum für Fluggäste nun gratis. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin stellt den Angehörigen der Opfer kostenlos Busse und Hotelzimmer zur Verfügung. Und der russische Regierungschef Wladimir Putin verspricht ihnen rasche finanzielle Hilfe.

Terrorismus / Luftverkehr / Russland
25.01.2011 · 08:28 Uhr
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