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Report: Leben auf dem Trümmerfeld

Mit unvorstellbarer Wucht hat das Hochwasser die Straßen von Bogatynia zerstört.Großansicht

Warschau (dpa) - Seine Stadt sei nur noch ein Trümmerfeld, sagt Bürgermeister Andrzej Grzmielewicz verzweifelt: Die Hochwasserkatastrophe hat das polnische Bogatynia schlimm getroffen. Nur dank einer Luftbrücke kann die 18 000-Einwohner-Stadt im Dreiländereck von Polen, Deutschland und Tschechien überleben.

Militär-Hubschrauber bringen in die von der Außenwelt fast vollständig abgeschnittene Stadt Lebensmittel, Trinkwasser und andere Hilfsgüter, damit die eingeschlossenen Menschen die schlimmste Zeit überstehen. Der Bach Miedzianka, normalerweise ein harmloser Zufluss der Neiße, war am Samstag nach einem gewaltigen Starkregen plötzlich über die Ufer gestiegen und hatte den Ort überflutet.

Für Rafal Jurkowlaniec, den Verwaltungschef der Region, war Bogatynia «die schönste Stadt in Niederschlesien». Er könne jetzt seinen Lieblingsort nicht wiedererkennen, sagte der Regionalpolitiker. «Das sieht sehr traurig aus», so Jurkowlaniec im Gespräch mit der Zeitung «Polska».

Das Hochwasser hat den hübschen Ort innerhalb von wenigen Stunden schlimm verwüstet. Bis zum ersten Stockwerk waren hunderte Häuser überflutet worden. Nun ist das Wasser abgeflossen, geblieben sind viel Schlamm, zerstörte Gebäude und Autos, herumliegender Hausrat. Wer sich auf die Straßen wagt, braucht akrobatische Fähigkeiten, um die Löcher und Risse auf den Straßen zu überspringen. Wie ein Juwel glänzt manchmal aus dem Müll ein eleganter roter Schuh, eine brandneue Angel, ein Buch. Dutzende Häuser müssen wegen Einsturzgefahr abgerissen werden.

Als Andrzej und Urszula Jakimowicz ihr Haus am Tag nach der Flut sahen, konnten sie nur noch weinen - von ihrem Lebenswerk blieben Bretter und Steine. Nur einige wichtige Urkunden konnten sie vor dem Wasser in die Notunterkunft retten, wo sie mit rund hundert Leidensgenossen die Nacht zum Sonntag verbrachten.

Viele Menschen haben nicht nur ihre Bleibe, sondern auch ihre Existenzgrundlage verloren. Janina und Ryszard Smolarek (beide 63) besaßen eine Autowerkstatt, die Flut zerstörte die Räumlichkeiten und Maschinen. «Alles verloren», jammert das Paar. Das sei wie Weltuntergang gewesen, sagte Lucja Suchynia (59) der Zeitung «Fakt». Der reißende Strom habe tote Tiere und zerstörte Autos durch die Stadt getrieben, erzählte die Frau.

Unter den Einwohnern macht sich Verzweiflung breit. Er sei zunächst überzeugt gewesen, dass seine Stadt den Neuanfang schaffe, sagt Marian Janiak dem Blatt «Polska». Als er aber die Ruinen sah, habe er den Glauben verloren. Die Flutwelle hatte die Hälfte seines Hauses weggerissen, die zweite Haushälfte droht einzustürzen.

Hochwasser / Polen
09.08.2010 · 22:50 Uhr
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