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Report: Kein Blankoscheck für Irland

Cowen und LenihanGroßansicht

London/Dublin (dpa) - Der erste Vorhang im Dubliner Finanztheater ist gefallen. Irland wird Milliardenhilfen der Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragen. Über die Summe sagt noch niemand etwas Offizielles.

Immerhin wagte sich der irische Finanzminister Brian Lenihan mit der Bemerkung vor, es gehe um weniger als 100 Milliarden Euro. Das Rumoren der letzten Tage und die Entschlossenheit, mit der Experten des IWF und der Eurozone in Dublin «eingerückt» sind, wie es ein Ire beschrieb, lassen nicht erwarten, dass sie einfach einen unterschriebenen Überweisungsträger liegen lassen. Der Finanzexperte der oppositionellen Fine-Gael-Partei im irischen Parlament, Michael Noonan, glaubt an grundlegende Änderungen.

Der IWF werde «nicht einfach Geldbrocken hinwerfen», sagte er. Die würden ohnehin nur wieder im selben Sumpf untergehen, wo schon Milliarden und Abermilliarden aus Dublin und Brüssel verschwunden sind. Eher führten die IWF-Strategen im Schilde, das gesamte Bankensystem in Irland völlig neu aufzustellen. «Ich würde mich nicht wundern, wenn der IWF in Kürze etwas Signifikantes zu verkünden hätte», sagte er vieldeutig im irischen Sender RTE.

Wie das aussehen wird, ist die Preisfrage. Ministerpräsident Brian Cowen wollte am Abend, als er die Bewerbung um das Euro-Geld bekanntgab, auf diese Frage nicht eingehen. Nur so viel: Der Bankensektor in Irland werde «signifikant kleiner» werden müssen.

Die Banken stehen im Zentrum der irischen Krise. Sie haben sich mit Immobilienfinanzierungen verspekuliert. Die Europäische Zentralbank hat insgesamt 130 Milliarden Euro ins System gepumpt. Der irische Staat ging vor sechs Wochen von 50 Milliarden aus, die er an Stütze leisten muss, eher sind es mehr. Die Arbeitslosigkeit ist in der Krise auf 13,5 Prozent geklettert, viele Menschen, die in den Boomjahren nach Irland gekommen sind, verlassen das Land wieder.

Wie kann es aber sein, dass neben der irischen Regierung selbst ausgewiesene Experten wie IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn noch vor einer Woche sagten, Irland könne seine Finanzprobleme selbst lösen? Experten von Goldman Sachs und Barclays errechneten laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sogar, die Stress-Szenarien, auf deren Basis jetzt die Hilfen für Irland berechnet würden, seien «extrem pessimistisch» und so nicht realistisch.

Möglich also, dass die Griechenland-gestählten IWF-Fachleute das irische Fass erst einmal provisorisch abdichten, ihm dann aber schnell einen grundlegenden und tragfähigen Boden einziehen wollen. Nicht umsonst kamen am Wochenende von überall her Stimmen, die Iren hätten ihre Hausaufgaben nicht gemacht und die anderen Euro-Länder hatten sie nicht kontrolliert. Immerhin musste Lenihan am Sonntag zugeben, dass Dublin nicht nur Geld für die Banken fehlt, sondern auch satte 19 Milliarden Euro für die laufenden Haushaltsausgaben nicht da sind.

In dieser Verfassung bietet das kleine Land Angriffsfläche für aggressive Investmentbanker - die prompt zuschlugen und die Zinsen für Irland- Anleihen bis auf über acht Prozent trieben. Bundeskanzlerin Angela Merkel - da sind sich die Experten zumindest außerhalb Deutschlands einig - hat mit ihrem Beharren auf Beteiligung privater Investoren an künftigen Rettungsaktionen das Ihre beigetragen. «Nicht hilfreich», sei Merkel gewesen, heißt es unter der Hand vergrätzt aus Dublin. Offiziell dankt Cowen auch der Kanzlerin für ihre Solidarität.

Irland ist das zweite Land nach Griechenland, das von der Eurozone gerettet werden muss. Der 750 Milliarden Euro umfassende Rettungsschirm wurde jedoch erst nach der 110-Milliarden-Rettung Griechenlands aufgespannt.

EU / Finanzen / Irland
22.11.2010 · 21:56 Uhr
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