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Report: Jubel und Tränen nach Kumpelrettung

Mario SepulvedaGroßansicht

Bergwerk San José (dpa) - Mario Gómez, der älteste Kumpel aus Chiles Unglücksmine, fiel erst seiner Frau Lilianette in die Arme und dann auf die Knie. Er betete inbrünstig und dankte Gott für seine Rettung. Es waren bewegende Bilder, die um die ganze Welt gingen.

Gómez kam als neunter Bergmann nach der mehr als zweimonatigen unterirdischen Gefangenschaft ans Tageslicht. Er ist einer der 33, deren Rettung als «Wunder von Chile» in die Geschichte eingehen dürfte.

Das lange Zittern und bange Warten war um kurz nach Mitternacht (Ortszeit) endlich zu Ende, als Florencio Ávalos als Erster lächelnd aus der Rettungskapsel «Fénix» (Phönix) stieg. Der Jubel kannte keine Grenzen, denn jetzt war gewiss: Die mit 69 Tagen längste Grubentragödie der Welt hat ein Happy-End. Angehörige weinten, Retter fielen sich in die Arme, Fernsehzuschauer rund um den Globus waren erleichtert und gerührt.

Seit dem 5. August saßen Ávalos und seine 32 Kollegen in mehr als 600 Meter Tiefe in der Mine San José fest. Als er die Oberfläche erreichte, löst sich im Lager Esperanza (Hoffnung) die seit Monaten aufgestaute Spannung in einer wahren Freudenexplosion. «Chi Chi Chi, Le Le Le, mineros de Chile», skandierten die Menschen wie bei einem traditionellen Fußballschlachtruf.

Sirenen heulten, eine Glocke an der Behelfsschule bimmelte wie bei einem Feuersturm. Autos hupten, Menschen tanzten um rotglühende Kohlefeuer. Luftballons stiegen in den chilenischen Nationalfarben Rot, Weiß und Blau in den sternenfunkelnden Nachthimmel über der Wüste. Konfettibomben ließen einen bunten Papierregen auf die Menschen niedergehen.

Für Chiles Präsident Sebastián Piñera hat sich «der chilenische Traum» erfüllt. Er war tief gerührt und begrüßte die Kumpel nach der Auffahrt persönlich. Auch Boliviens Staatschef Evo Morales traf am Mittwoch ein, denn einer der Kumpel, Carlos Mamani, ist Bolivianer.

Selbst hartgesottenen Journalisten stockte bei Live-Berichten die Stimme, Freudentränen schossen ihnen in die Augen. «Sieh mal, der Herr ist überwältigt», sagt Maria Herrera staunend, als ein Reporter neben ihr in Tränen ausbrach. Ein Kommentator des chilenischen Staatsfernsehens meint: «Die Erde hat heute einen Sohn geboren».

Unvergessen werden die Bilder von Mario Sepúlveda bleiben, dem Spaßvogel und «Talkmaster» der Kumpel, der als zweiter der Rettungskapsel entstieg. Erst umarmte er seine Frau, dann alle Umstehenden - egal ob Präsident Piñera oder einen einfachen Maschinisten. Mit seiner dunklen Sonnenbrille sprang er dann wie ein Derwisch um das Bohrloch und feuerte die staunenden Bohrarbeiter noch einmal kräftig zu einem weiteren «Chi Chi Chi, Le Le Le» an. Erst dann legte er sich auf die Trage, mit der er in das Behelfslazarett gebracht wurde.

«Ich war mit Gott und dem Teufel. Aber ich habe die beste Hand, die Hand Gottes, festgehalten», sagt er später in einem kleinen Ruheraum, wo mit umgeben von seiner Familie auf einer weißen Couch saß. «Ich werde nie müde, mich zu bedanken», sagt er. «Ich bin sehr glücklich, hier oben zu sein. Ich war immer sicher, dass ich heraus komme, und ich habe immer daran geglaubt.» Sepúlveda bittet die Medien auch, ihn nicht wie einen Star, Künstler oder Journalisten zu behandeln: «Ich will, dass Sie mich wie den behandeln, der ich bin - ein Bergarbeiter.»

Notfälle / Chile
13.10.2010 · 22:47 Uhr
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