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Report: Israel verteidigt bröckelnde Blockade

Neugierige konnten an allen Etappen der Verfolgung teilhaben. Die Armee dementierte über Twitter sofort, wenn Gerüchte die Runde machten. Alle vier Warnungen an die Crew wurden öffentlich gemacht.Großansicht
Tel Aviv (dpa) - Knapp fünf Tage lang hagelte es aus allen Ecken und Enden der Welt Kritik. Mit der blutigen Erstürmung eines türkischen Passagierschiffes hatten die israelischen Elitesoldaten bei vielen Menschen im Ausland einen verheerenden Eindruck hinterlassen.

Am Samstag brachte die Marine das siebte und zugleich letzte Hilfsschiff der Gaza-Solidaritätsflotte auf. Dieses Mal fiel kein Schuss. Es floss kein Tropfen Blut.

Die israelische Armee ist lernfähig und machte dieses Mal vieles anders als am Montag. Zum Beispiel wurde der unter irischer Flagge fahrende Frachter «Rachel Corrie» nicht in der Dunkelheit der Nacht übernommen. Die Organisatoren von Free Gaza hatten nach dem Blutvergießen vom Montag unter anderem den Angriff der Elitesoldaten vor dem Morgengrauen als Grund für die Angst und Panik sowie den Widerstand genannt.

Und wer wollte, konnte am Samstag wie bei einer Schnitzeljagd an allen Etappen der Verfolgung teilhaben. Armeesprecherin Avital Leibowitz dementierte im Internetdienst Twitter sofort, wenn Gerüchte die Runde machten. Alle vier Warnungen der Armee an die Crew machte sie öffentlich. Darunter auch den Wortlaut: «Sie nähern sich einem feindlichen Gebiet, das unter einer Seeblockade steht. Das Gebiet von Gaza, die Küstenregion und der Hafen von Gaza sind geschlossen für allen Seeverkehr (...) Wir laden Sie nach Aschdod ein.»

Die Botschaft bei so viel Transparenz sollte wohl lauten: Israel hält sich an die Vorschriften und hat nichts zu verbergen. Die Organisatoren von Free Gaza sehen das natürlich anders. Die Übernahme eines Schiffes ist für Sprecherin Greta Berlin ein Akt der Gewalt - vor allem, wenn er in internationalen Gewässern erfolgt. Und sie hält die Seeblockade des Gazastreifens sowieso für illegal.

Die mehr als 700 pro-palästinensischen Aktivisten auf den sieben Schiffen der diesjährigen Gaza-Solidaritätsflotte haben einen Teilerfolg erzielt - und dafür einen hohen Preis gezahlt. Neun Menschen starben, 45 weitere wurden verletzt. Israel inhaftierte 632 Aktivisten und wies mehr als 700 ohne Gepäck aus.

Ein Ziel der Aktivisten war es, die seit drei Jahren währende Seeblockade vor dem Gazastreifen zu brechen. Das haben sie nicht geschafft. Dafür zeichnet sich eins mit Sicherheit ab: Israel wird die Sanktionen für 1,5 Millionen Palästinenser lockern müssen. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Mike Hammer, sagt unverblümt: «Die derzeitige Regelung ist nicht haltbar und muss geändert werden.»

Israel argumentierte bislang, dass im Gazastreifen keine humanitäre Krise herrscht. Tatsächlich gibt es keine Hungersnot, weil Hilfsorganisationen die Menschen über Wasser halten. UN-Hilfsorganisationen machen ihrerseits die Krise an Zahlen fest: 80 Prozent der Palästinenser im Gazastreifen würden ohne Hilfe von außen nicht überleben, drei von vier sind arm und knapp die Hälfte ist arbeitslos. Landwirtschaft und Fischerei stehen vor dem Kollaps. Allein der Schmuggel blüht.

Für Israel hat sich binnen einer Woche viel verändert. Die Beziehungen zum strategischen Partner Türkei tendieren gen Nullpunkt. In anderen Teilen der Welt hat das Ansehen Israels gelitten. Wegen des Blutvergießens auf der «Mavi Marmara» scheint eine Untersuchung wohl unausweichlich. Und ein gewaltiger Dorn im Auge dürfte auch sein, dass die im Gazastreifen herrschende Hamas Nutznießer einer bröckelnden Blockade wird. Dabei hat die radikal-islamische Organisation mit der Entführung des israelischen Soldaten Gilad Schalit und dem jahrelangen Raketenbeschuss auf israelische Zivilisten die Sanktionen mit zu verantworten.

Konflikte / Gaza / Nahost
05.06.2010 · 15:35 Uhr
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