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Report: In Japan muss das Leben weitergehen

In der Stadt Natori sitzt eine Frau zwischen Trümmern.Großansicht

Nagoya, Japan (dpa) - Es ist als sei man in einem anderen Land. Die Sonne lacht über Nagoya, einer Industriestadt etwa 300 Kilometer südwestlich von Tokio. Von den Schreckensbildern aus dem Norden ist hier keine Spur.

Doch die eskalierende Lage im Kernkraftwerk Fukushima macht auch den Menschen außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone zunehmend Angst.

Nicht nur die Furcht vor radioaktiver Strahlung macht sich breit, sondern mehr noch die Sorge vor einem weiteren Megabeben. Laut der Japanischen Wetteragentur besteht noch bis Mittwoch eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit eines Nachbebens der Stärke 7 oder mehr. In den folgenden Tagen verringert sich diese auf 50 Prozent.

Frau Kojima, eine Hotelangestellte in Nagoya, hat das Beben am Freitag sogar dort gefühlt. «Ich war im 17. Stock, als alles zu schwanken begann. Ich wusste nicht, ob ich fliehen sollte, obwohl ich so weit oben war.» Nun fürchtet sie sich vor einem weitern Beben: «Ich bin jetzt sehr besorgt. Es soll ja noch ein großes Beben kommen.»

Obwohl laut Expertenaussagen eine Katastrophe wie die im ukrainischen Tschernobyl aufgrund der unterschiedlichen Bauweise der Reaktoren eher unwahrscheinlich ist, verlieren viele den Glauben an die zu lange abwiegelnden Aussagen der Regierung und des Kraftwerkbetreibers Tepco.

Zu oft in der Vergangenheit wurden Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung von beiden heruntergespielt. «Wir haben Tokio verlassen, weil man der Regierung nicht trauen kann. Wir wurden schon früher belogen», sagt ein junges Ehepaar.

Die Region um Nagoya ist nicht von den Maßnahmen zur Stromrationierung betroffen, die im Großraum Tokio zu einem Run auf Supermärkte und Chaos im Schienenverkehr geführt hat. Aus Sorge um die Folgen der Stromausfälle führte in Tokio zu Hamsterkäufen an Lebensmitteln, Batterien und Treibstoff.

Am Montagabend bildeten sich auch auf den Routen nach Süden lange Schlangen vor den Tankstellen. In Nagoya selbst sind die Läden noch gut gefüllt, an der Tankstelle wird man sofort bedient und es herrscht nicht mehr als das übliche Gedränge in der Stoßzeit am Bahnhof. Aber die ersten Waren werden bereits knapp. «Gas für die Gaskocher ist schon in der ganzen Stadt ausverkauft. Die Leute haben Angst, dass der Strom ausfällt und man nicht mehr kochen und heizen kann», sagt die Hotelangestellte Frau Kojima.

In der alten Kaiserstadt Kyoto, mehr als 500 Kilometer Luftlinie von Fukushima entfernt, tummeln sich noch Scharen von Touristen scheinbar sorglos in den malerischen Straßen und imposanten Tempeln. Aber unter den Ortsfremden sind bereits Flüchtlinge aus Tokio. «Ich habe Tokio wegen des Erdbebens verlassen und werde zunächst einmal eine Woche in Kyoto bleiben», sagt Mirami, eine junge Angestellte aus Tokio.

Korr-Ausland / Erdbeben / Japan
15.03.2011 · 09:21 Uhr
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