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Report: Horror im Hinterhof-Versteck

Zelte des FBI im Hinterhof des Hauses in Kalifornien.
San Francisco (dpa) - Am 10. Juni 1991 nahm die Kindheit der elfjährigen Kalifornierin Jaycee Lee Dugard ein jähes Ende. Das blonde, sommersprossige Mädchen wurde Opfer einer brutalen Entführung.

Die nächsten 18 Jahre war sie in einem primitiven Holzverschlag und Zelten gefangen, hinter einem hohen Zaun von der Außenwelt abgeschottet. Keiner der Nachbarn ahnte, was sich in dem Hinterhof-Versteck abspielte. «Man konnte durch den Garten laufen und absolut nichts von dem sehen, was dahinter los war», sagte Sheriff Fred Kollar von der Polizei im Bezirk El Dorado am Donnerstag.

Von seinem Elternhaus an dem malerischen Lake Tahoe war das Kind rund 250 Kilometer entfernt nach Antioch, nahe San Francisco, verschleppt worden. Dugards Peiniger, ein 58 Jahre alter Mann und seine 55-jährige Ehefrau, lebten in einem kleinen, unauffälligen Haus mit vergitterten Fenstern. Dahinter, von hohen Büschen, Bäumen und Plastikplanen verdeckt, in einem abgetrennten Gartenstück, war das Mädchen gefangen. Zunächst alleine, dann mit ihren jetzt 11 und 15 Jahre alten Töchtern. Die Polizei geht davon aus, dass Dugard über Jahre hinweg von dem Mann vergewaltigt wurde, das erste Kind brachte sie mit 14 Jahren zur Welt. Ob der Vater auch seinen eigenen Nachwuchs sexuell missbrauchte, darüber gab die Polizei am Donnerstag keine Auskunft. Doch die Ermittler ließen keinen Zweifel an dem Leidensweg der Kinder.

«Sie lebten auf diesem Gelände des Hauses in totaler Isolierung», sagte Kollar. Der kleine, schallisolierte Bretterverschlag konnte von außen verriegelt werden. Zwei Zelte, ein primitives Klo und eine Dusche, «so wie beim Camping», beschrieb der Polizist das ärmliche Zwangslager. Keines der Kinder habe eine Schule besucht oder je einen Arzt gesehen. Auf den ersten Blick war den Opfern die Quälerei nicht anzusehen. Mutter und Kinder seien gesundheitlich «in verhältnismäßig guter Verfassung», sagte Kollar. Aber 18 Jahre in einem verborgenen Verschlag «würden ihren Tribut fordern».

Nachbarn hielten von dem «sonderbaren» Mann nach eigenen Angaben Abstand. Die meisten wussten, dass der 58-Jährige wegen früherer Straftaten als Sexualtäter gemeldet war. Nachbarin Haydee Perry sagte dem «San Francisco Chronicle», dass sie kürzlich eines der beiden Mädchen sah, das sich mit «einem leeren Blick» und «ungewöhnlich eng» an den Mann klammerte. Die Mutter hätten sie nie gesehen, nur gelegentlich die Kinder, die den älteren Mann als ihren Vater bezeichneten. Einige beschrieben den Mann als religiösen Fanatiker, der davon sprach, er höre Gottes Stimme.

Bei einer Überprüfung des Vorbestraften im vorigen Sommer hatte der Kidnapper erneut Glück, dass sein Verbrechen nicht aufflog. «Es gab null Anzeichen dafür, dass dort Kinder lebten», sagte die Polizistin Diane Aguinaga der Zeitung über einen Hausbesuch. «Nur er, seine Frau und seine Mutter.» Die Ermittler hätten auch in den Hinterhof geschaut, aber nur eine Terrasse und einen Zaun gesehen, nicht das dahinter verborgene Versteck.

Eine frühere Nachbarin hatte nach eigenen Angaben «totale Angst» vor dem Mann. Dem «Chronicle» erzählte die 25-jährige Erika Pratt, dass sie es einmal wagte, über den Zaun zu spähen und dort die Mädchen, Zelte und Pitbull-Hunde entdeckte. Die Polizei habe ihr damals gesagt, sie hätten keinen Suchbefehl und könnten nichts weiter unternehmen. dpa mu xx a3 bj

Kriminalität / USA
28.08.2009 · 13:36 Uhr
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