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Report: Hoffnungsschimmer am grauen Himmel

Ein Ballon mit der Aufschrift Großansicht
München (dpa) - Jubelstimmung wie beim Papstbesuch 2006 in München will zum Auftakt des 2. Ökumenischen Kirchentags nicht aufkommen. Nachdenklich und ruhig ist die Stimmung beim Eröffnungsgottesdienst am Mittwochabend.

Dazu passen nicht nur die schwarzen Wolken, die den Himmel über der Theresienwiese verdüstern. Auch in Ansprachen, Fürbitten und in der Predigt sind die Probleme allgegenwärtig, mit denen Politik, Wirtschaft und Kirchen derzeit zu kämpfen haben: Finanzkrise, sexueller Missbrauch, Krieg und Armut. Erst beim «Abend der Begegnung» in der Innenstadt wird die Stimmung gelöster. Beim Straßenfest feiern 300 000 Menschen den Auftakt des Kirchentags.

Auf der Theresienwiese sprechen der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und Bundespräsident Horst Köhler den Gläubigen beim Eröffnungsgottesdienst vor allem Mut zu - auch im Hinblick auf die Ökumene. Denn der Wunsch nach einem besseren Miteinander von Katholiken und Protestanten ist für viele Menschen das Wichtigste an diesem Kirchentag.

«Ich denke, dass die Ökumene ausgebremst ist», sagt der evangelische Pfarrer Ralf Isensee, der es sich mit seiner Jugendgruppe aus dem sächsischen Mittel-Herwigsdorf bei Zittau auf dem Kiesboden bequem gemacht hat. «Vom Kirchentag erhoffe ich mir ein Signal, dass es deutlich vorwärtsgeht.» So wie Isensee sehen es viele der Gottesdienst-Besucher, die sich mit warmen Pullis, Regenjacken und Schirmen gegen den drohenden Regen gewappnet haben.

Doch vom schlechten Wetter wollen sich die beiden Pfadfinder Sebastian Prill und Benedikt Scharfenberg aus dem Raum Hannover nicht beirren lassen. Angesichts der mehr als 400 Stände, die abends in der Innenstadt aufgebaut sind, staunen sie über das «riesige Angebot». Prill sagt: «Da ist unglaublich viel geboten, das ist ein Kirchentag voller Vielfalt.»

Kulinarische Schmankerl, Mitmach-Angebote, Musik der unterschiedlichsten Stilrichtungen - und spätabends noch tausende brennender Kerzen, die das Stadtzentrum in ein Lichtermeer verwandeln: Trotz der kühlen Temperaturen zeigt sich hier die fröhliche und die stimmungsvolle Seite des Kirchentags.

Aus allen Teilen Deutschlands sind Pilger nach München gereist. Eine der anstrengendsten Anfahrten hatten die Teilnehmer von «Ökumene ins Rollen bringen»: Am 2. Mai waren sie mit Fahrrädern in Berlin am Brandenburger Tor gestartet und hunderte Kilometer bei Wind und Wetter nach München gestrampelt. «Irgendwann merkt man den Allerwertesten nicht mehr», sagt die 14 Jahre alte Paula Rosam. Doch die Erfahrung ist es ihr wert: «Egal wie das Wetter ist, die Gemeinschaft trägt einen weiter, auch wenn man vor einem hohen Hang steht!»

Die meisten Jugendlichen suchen auf dem Kirchentag vor allem Kontakte und Gespräche mit Gleichaltrigen. Eine Gruppe aus Darmstadt sticht mit selbstgenähten, roten Pilgerschals aus der Menge heraus. Cäcilia Hickl fühlt sich wohl inmitten der singenden und betenden Menschen und steht zur katholischen Kirche, auch wenn viele von einer Krise reden: «Wenn man austritt, kann man nichts verändern», erklärt sie bestimmt. Doch auch die 16-Jährige wünscht sich mehr Offenheit zum Thema Missbrauch: «Eingestehen, dass was falsch gelaufen ist.» Und mehr Toleranz gegenüber evangelischen Christen, denn für Cäcilia ist der Austausch von Katholiken und Protestanten selbstverständlich. «Bei uns im Ort ist jeder mal bei den anderen im Gottesdienst, wir kennen auch die anderen Glaubensrichtungen.»

Doch beim Eröffnungsgottesdienst ist das Miteinander noch etwas verhalten. Jeder singt für sich, viele stehen auch lieber etwas abseits der Masse. Platz genug ist da, denn die Theresienwiese ist nur zur Hälfte gefüllt. Eisbrecher ist dann das amerikanische Volkslied «Amazing Grace», zu dessen Klängen sich die Gläubigen gegenseitig Kreuzzeichen auf die Stirn oder in die Handfläche zeichnen. Und sogar das Wetter hat ein Einsehen. Die dunklen Wolken werden lichter, sogar ein bisschen Sonne guckt heraus und ist wie ein Sinnbild für das Motto des Kirchentages: «Damit ihr Hoffnung habt».

Kirchen / Kirchentag
13.05.2010 · 12:55 Uhr
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