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Report: Heimspiel für Steinmeier

Frank-Walter SteinmeierGroßansicht
Detmold (dpa) - Am Schluss johlen und klatschen die 6500 Menschen, die Kirchenglocken läuten und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier strahlt mit der Abendsonne um die Wette.

Er hatte sich diesen Zusatztermin als Endpunkt seines Wahlkampfmarathons gewünscht, zu Hause in Detmold, unter den Augen seiner Eltern und seines Bruders. Sie sind angereist aus dem wenige Kilometer entfernten Brakelsiek. «fw Steinmeier» steht auf den runden roten Ansteckern, die sie an der Jacke tragen.

Wie bei vielen anderen Wahlkampfreden auch warnt der Außenminister vor Schwarz-Gelb, vor sozialen Verwerfungen, die nur mit einer starken Sozialdemokratie verhindert werden können. Er zählt die Verdienste seiner Partei auf, von der Abwrackprämie bis zur Verlängerung des Kurzarbeitergeldes. Die SPD habe Opel-Arbeitsplätze gerettet, nicht «die Union mit ihrem Bundesinsolvenzminister».

Überhaupt habe die Union von Kanzlerin Angela Merkel wenig zur Lösung der Finanzkrise beigetragen, sagt Steinmeier über seine Koalitionspartnerin der letzten vier Jahre. Und er spottet über ihre Wahlkampftour mit dem alten Zug des CDU-Kanzlers Konrad Adenauer: «Merkel fährt mit dem Rheingold-Express in die falsche Richtung, nämlich in die Vergangenheit.» Mit wem er regieren will, sagt Steinmeier nicht.

Als «Einheizer» hat sich vor Steinmeier Finanzminister Peer Steinbrück, betätigt. Er warnt vor einer Wiedergeburt des Casino-Kapitalismus' unter Schwarz-Gelb. «Wenn Sie glauben, dass die FDP mit dem marktradikalen Flügel der Union diesen Kapitalismus verhindern wird, dann ist Ihnen nicht mehr zu helfen», ätzt er. Und er fordert die Menschen auf, nur ja wählen zu gehen. «Wenn Sie nicht zur Wahl gehen, werden Sie wahrscheinlich von Leuten regiert, die dümmer sind als Sie.»

Während Steinbrück die Lacher erntet, arbeitet sich Steinmeier in seiner vergleichsweise nüchternen Art an der Sachpolitik ab. Er hat das Jackett ausgezogen, die Hemdsärmel hochgekrempelt. Nach weit mehr als 100 Wahlkampfauftritten in sechs Wochen ist seine Stimme rau geworden, manchmal überschlägt sie sich («Meine Erststimme ist angegriffen, darum brauche ich Ihre Zweitstimme!»).

Bei aller Routine merkt man dem Außenminister aber an, dass dieser Auftritt im kleinen Detmold etwas ganz Besonderes für ihn ist. Beim Einmarsch mit Steinmeier auf den Platz am Theater dröhnt die Musik; Steinmeier umarmt seine Eltern, der Pulk der Fotografen und Kameramänner drängt sich um die Familie. Eine Stunde später wirkt Mutter Ursula erschöpft, aber zufrieden. Wie fand sie ihren Sohn? «Einfach super.»

Wahlen / Bundestag / SPD
26.09.2009 · 22:38 Uhr
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