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Report: Große Emotionen in Dresden

Obama besucht FrauenkircheGroßansicht
Dresden (dpa) - Es war der emotionalste Moment der Stippvisite von Barack Obama in Dresden: der Besuch der Frauenkirche. Der erste Blick des US-Präsidenten ging andächtig hinauf zur Kuppel.

Zu den Klängen von Henry Purcells «Prince of Denmark's March» betrat er gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Wahrzeichen Dresdens, das durch internationales Engagement für den Wiederaufbau zu einem Symbol der Versöhnung geworden ist. War die Besichtigung des Gotteshauses im Vorfeld mehr als unsicher, nahm sich der 47-Jährige am Freitag eine halbe Stunde Zeit für die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirche.

Überraschend für das Protokoll folgte der Protestant Obama sogar der Einladung des Bischofs Jochen Bohl zu einem Friedensgebet für die Verständigung zwischen Israel und Palästina, der muslimischen Welt und dem Westen. «Wonderful», zeigte sich Obama schon nach wenigen Momenten von dem Gebäude beeindruckt.

Ganz still wurde es, als er und Merkel, geführt vom evangelischen Landesbischof Bohl das Kirchenschiff von Nord nach Süd durchquerten - zu dem aus den Trümmern des 1945 zerstörten Original-Gotteshauses geborgenen Turmkreuz. Nach kurzem Innehalten nahm Obama eine Kerze mit dem Aufdruck «Friede sei mit Euch», zündete sie an einer großen Kerze an und stellte sie zu den anderen, bereits brennenden Lichtern. Während der US-Präsident sich spontan in das ausliegende Fürbittenbuch eintrug, entzündete auch Merkel eine Kerze.

Auf dem Weg zum Altar stellte der bestens aufgelegte US-Präsident dem Bischof weiter interessiert Fragen zur Architektur und Geschichte des Gebäudes. Kaum glauben konnte Obama, dass zwei Drittel der Aufbaukosten für die Frauenkirche aus Spenden kamen - ein Großteil davon aus den USA. «Er ist ein theologisch gebildeter Mann, der sich in der christlichen Lehre sehr gut auskennt», sagte Bohl im Anschluss. Besonders die Fotos, die den Zustand der Kirche nach der Bombennacht vom Februar 1945 zeigten, hätten Obama beeindruckt. «Auch das Nagelkreuz, weltweit Zeichen der Versöhnung in den Kirchen der Nagelkreuzgemeinschaft, hat ihn sehr interessiert.»

Als Bohl ihn danach zum Gebet einlud, war Obamas spontane Antwort: «Yes, of course». Mit gesenkten Köpfen und ineinander verschränkten Händen standen sie hinter dem Bischof auf dem Altar: der US-Präsident, dahinter die Kanzlerin, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz, die beiden Frauenkirchen-Pfarrer sowie der frühere Baudirektor der Kirche, Eberhard Burger. Dieser hatte extra seinen Start in den Urlaub um zwei Tage verschoben.

Dafür wurde Burger die ganze Bewunderung des mächtigsten Mannes der Welt zuteil: Er sei der erste Baumeister und Architekt, den er kennenlerne, der mit seinem Budget ausgekommen sei, sagte Obama zu ihm. Das wünsche er sich für Amerika. Unter Burgers Regie war die Ruine der Kirche enttrümmert und das Gotteshaus originalgetreu und unter Verwendung der geborgenen Steine wiedererrichtet worden. Zwischendrin plauderte Obama mit dem Bischof und Merkel, brachte mit der einen oder anderen Bemerkung sogar die Umstehenden zum Schmunzeln. Sein Charme animierte auch die Kanzlerin zur angeregten Unterhaltung. Beim Hinausgehen winkte Obama dem Chor der Kirche zu.

«Er ist präsent, konzentriert, aufmerksam, zugewandt und Anteil nehmend», zeigte sich auch Bischof Bohl von dem besonderen Besucher bewegt. Bleiben wird Obamas Eintrag im Fürbittenbuch: «Meine besten Wünsche für die Gemeinde und die Menschen von Dresden vor allem dafür, dass sie die Möglichkeit auf Versöhnung, Wiederaufbau und Hoffnung symbolisieren. Gott schütze sie. Barack Obama.» Dieser Satz, unter den danach noch Kanzlerin Merkel ihren Namenszug setzte, wird der letzte in diesem Buch bleiben. Es wurde umgehend in die Sakristei gebracht: «Das heben wir lieber sicher auf», sagte Frauenkirchen-Pfarrer Holger Treutmann.

International / Deutschland / USA
05.06.2009 · 16:42 Uhr
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