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Report: Griechen zwischen Hoffen und Zähneklappern

Polizei vor Parlament in AthenGroßansicht
Athen (dpa) - Die Griechen atmen auf, aber ein Zuckerschlecken wird die Rosskur, die nun fällig ist, nicht. «Jetzt müssen wir die Ärmel hochkrempeln und in die Hände spucken», kommentierte ein Radiomoderator in Athen am Samstagmorgen den Ausblick.

«Die größte Hürde ist genommen. Berlin hat das große "Ja" gesprochen, und die Partner werden helfen.» Nachdem mit Deutschland und Frankreich die beiden wichtigsten Geberländer grünes Licht gegeben hatten, billigte der EU-Sondergipfel in Brüssel in der Nacht zum Samstag das Hilfspaket von 110 Milliarden Euro, um Griechenland vor der Pleite zu retten. Den Griechen stehen nun weitere harte Einschnitte bevor.

Die regierungsnahe Zeitung «Ta Nea» rechnete am Samstag vor, dass die Staatsbediensteten allein in diesem Jahr mit Einbußen in Höhe von etwa einem Viertel ihres Einkommens rechnen müssen. Denn der Sparkurs der Regierung sieht Kürzungen der Gehälter im öffentlichen Dienst vor, die Mehrwertsteuer ist seit Jahresbeginn von 19 auf 23 Prozent gestiegen und auch die Steuern auf Tabak, Spirituosen und Treibstoff gehen rauf. «Jetzt kommen weitere Einschnitte bei den Renten», schrieb die konservative Athener Zeitung «Kathimerini».

Die Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou will kommende Woche ihre Pläne vorstellen, wie das neue Renten- und Krankenkassensystem funktionieren soll. Wichtigstes Merkmal ist nach Zeitungsberichten die Fusion finanziell gesunder mit defizitären Krankenkassen. Staatliche Zuschüsse soll es nicht mehr geben. Die Renten sollen demnach gekürzt werden. «Wie viel ist noch unklar. Es wird aber Reaktionen geben», sagte ein Gewerkschafter im Fernsehen am Samstag. «Umsturz bei den Renten. Erhöhung des Rentenalters», prophezeite die konservative Zeitung «Kathimerini».

In Athen herrschte am Samstag gespannte Ruhe. Die Bewohner im Zentrum verbrachten die ruhigste Nacht seit Ausbruch der Krawalle am vergangenen Mittwoch. Es gab keine Zwischenfälle, wie die Polizei mitteilte. Überall im Stadtzentrum und vor allem vor Ministerien und Behörden war ein starkes Polizeiaufgebot zu sehen. Die Polizei ging verstärkt mit Streifenwagen und Motorrädern auf Patrouille. Verdächtige wurden kontrolliert. Sogar ein Hubschrauber kreiste am Freitag bis zum Einbruch der Dunkelheit über der Innenstadt. Während der jüngsten Proteste gegen das Sparpaket der Regierung hatten sich Krawallmacher mit der Polizei blutige Straßenschlachten geliefert. Drei Menschen kamen dabei ums Leben, darunter eine schwangere Frau.

Für die Griechen heißt es jetzt: sparen, sparen, sparen - 30 Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren. Nur so können sie auf die Milliarden-Hilfe der Euroland-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) hoffen. Experten des IWF, der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) werden alle drei Monate kontrollieren, ob Athen seine Verpflichtungen einhält. Wenn nicht, wird das Rettungsprogramm unterbrochen. «Es ist also kein Blankoscheck», warnten die griechischen Blätter übereinstimmend. Einige Medien meinten, dass der griechische «Finanz-Virus» nun um sich greife. Würden Portugal, Spanien, Irland und sogar Italien angesteckt, könne dies eine gewaltige, vielleicht sogar weltweite Krise auslösen. «Und der Zünder werden wir und die Spekulanten sein», hieß es im Radio. «Alarm um den Dominoeffekt abzuwenden», titelte das Boulevardblatt Ethnos».

Finanzen / Griechenland
08.05.2010 · 11:02 Uhr
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