News
 

Report: «GM, hau ab» - Die Wut der Opelaner

Protest in RüsselsheimGroßansicht
Rüsselsheim (dpa) - «GM, hau ab»: Mit Streiks und Demonstrationen protestieren bundesweit Zehntausende von Opel-Mitarbeitern gegen befürchtete Massenentlassungen und mögliche Werksschließungen.

Gegen den Mutterkonzern General Motors richtet sich blanke Wut, untereinander zeigen die Opelaner Solidarität: «Wir sind Opel» steht auf gelben T-Shirts. «Wir demonstrieren, damit die Leute Mut fassen. Wir stehen zusammen», sagt ein Arbeiter in Rüsselsheim, wo fast 10 000 Beschäftigte demonstrieren. Der Lärm von Trillerpfeifen, das Schlagen von Trommeln füllt die Luft. Nach dem überraschend geplatzten Verkauf des deutschen Autobauers an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und russische Investoren zeigen die Opelaner ihren Zorn.

Zur Demonstration versammeln sie sich unter anderem am alten Rüsselsheimer Hauptportal, an traditionellem Ort, dort, wo der Firmengründer Adam Opel als große Statue in die Zukunft blickt. Die Beschäftigten lassen keinen Zweifel daran, dass sie weiter für die Selbstständigkeit von Opel kämpfen wollen - gerade in Rüsselsheim. «Hier ist das innovative Herz von Opel in Europa», meint Oberbürgermeister Stefan Gieltowski (SPD).

Die Stoßrichtung bei den Protesten geht nicht gegen eine Regierung oder gegen ein Management in Deutschland. Für Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sitzen die Übeltäter bei GM in Detroit.

Das sehen auch die Demonstranten so, die jede Aufmunterung und jeden Appell an das Durchhaltevermögen mit Applaus beantworten. Ein Arbeiter hat auf seine Mütze geschrieben: «Freiheit für die Sklaven von GM».

«Wir sind zornig, wütend, enttäuscht, verbittert», sagt der Betriebsratschef des Eisenacher Opel-Werks, Harald Lieske, vor 500 Demonstranten. Monatelang hatten sie gehofft und gebangt. «Es war alles in Sack und Tüten mit Magna, und jetzt sagen die Amerikaner einfach Nein. Das Vertrauen ist weg», sagt Horst König - seit 14 Jahren bei Opel Eisenach in Lohn und Brot. «Wir wären bereit gewesen, uns unsere Zukunft etwas kosten zu lassen», sagt Lieske. «Jetzt kann es sein, dass die Zukunft mit GM uns unsere Zukunft kosten wird.»

Immer ein heißes Pflaster für GM war Bochum: Im Revierwerk hat sich der Widerstand stets zuerst geregt, und das kompromisslos. Auf der Kundgebung mit mehreren tausend Menschen schießen die Opelaner die erste Streikwarnung in Richtung Detroit ab. «Wenn die Bude zugemacht wird, brennt Bochum», sagt ein Opelaner. «Wir werden das machen, was wir immer gemacht haben, streiken.» Minuten zuvor hatte Betriebsratschef Rainer Einenkel gesagt: «Wenn es keine Zusagen von General Motors gibt, stehen wir hier solange, bis es welche gibt.»

Vor dem Kaiserlauterer Werk protestieren mehr als 3000 Menschen. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) findet deftige Worte für das Vorgehen der Amerikaner: «Wir haben die Schnauze voll von dieser Art, mit Menschen umzugehen.»

«Yes we can» steht auf einem Plakat zu lesen. Zu sehen ist darauf, wie eine Schere an die Schnur angelegt wird, die den Ballon Opel an ein GM-Fahrzeug bindet. Der Kaiserslauterer Betriebsratschef Alfred Klingel forderte von GM, Opel doch noch zu verkaufen. «Wir wissen seit Jahren, dass GM Opel in den Abgrund fährt.»

Was wird aus dem Kaiserslauterer Werk mit seinen 3500 Beschäftigten, wenn Opel bei GM bleibt? Klingel kündigt härtesten Widerstand an, sollte es zu Einschnitten kommen. «Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken.» Es dürfe keine Werkschließungen und keine betriebsbedingten Kündigungen bei Opel geben.

In der Menge steht auch ein 55 Jahre alter Opelaner, der hier im Presswerk arbeitet. Seit 28 Jahren sei er bei Opel, erzählt er. Würde er seinen Job verlieren, sähe es düster für ihn aus. «Hier gibt's sonst nichts.» Ein Kollege erzählt, die GM-Kehrtwende sei nicht völlig überraschend gekommen. «Die brauchen unsere Technologie und unser Know-how.»

In Rüsselsheim macht Koch derweil aus seiner Enttäuschung über GM kein Geheimnis: «Wir Politiker fragen uns selbst, ob wir da nicht auf die Schnauze gefallen sind.»

Auto / Opel
06.11.2009 · 07:20 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen