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Report: Gespannte Ruhe beim Public Viewing

Schlichtung bei Stuttgart 21 als Public ViewingGroßansicht

Stuttgart (dpa) - Auf diesen Tag haben zehntausende Stuttgart-21-Gegner wochenlang gewartet. Doch ein Massenandrang sieht anders aus: Beim Public Viewing zum Start der Schlichtung waren im Rathaus viele Plätze leer. Und auch die Trillerpfeifen blieben zu Hause.

Zeitweise könnte man eine Stecknadel fallen hören. Gebannt verfolgen rund 100 Menschen die Stuttgart-21-Schlichtung, die im großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses über eine Leinwand flimmert. Nebenan, im mittleren Sitzungssaal, tauschten die Experten ihre Fakten für und gegen das Milliardenbahnprojekt aus. Zwischenrufe gibt es vor den vielen laufenden Kameras im Saal kaum. Erst als der grüne Tübinger Oberbürgermeister und Stuttgart-21-Gegner Boris Palmer seine Argumente in die Schlichtungsrunde eingebracht hat, blitzt auf, auf welcher Seite die meisten Zuhörer stehen: Es gibt einen kurzen, aber heftigen Applaus.

«Ich möchte mich solidarisch zeigen mit K21. Deshalb bin ich hierhergekommen», sagt Beate Zela-Koort aus Stuttgart, die das Alternativkonzept der Stuttgart-21-Gegner, K21, favorisiert. Diese Variante sieht den Erhalt und Modernisierung des Kopfbahnhofs und eine Anbindung des Landesflughafens und der geplanten Trasse nach Ulm durch das Neckartal vor. Schade sei, dass das Vermittlungsgespräch zu einer Zeit stattfinde, bei der Schüler und Berufstätige nicht zuhören könnten.

Tom Speyer (17) nutzt zwei Freistunden, um sich im Sitzungssaal die erste Rede ungekürzt anzuhören. «Auf viele Argumente wird gar nicht eingegangen. Die gleiche Brühe wie immer», kritisiert er die Ansprache von Bahn-Vorstandsmitglied Volker Kefer. Er hoffe aber auf die Argumente der Gegner und die Diskussion. Wenn Vermittler Heiner Geißler die Gesprächsbereitschaft erhalten könne und sich die Politik traue, das Projekt bei guten Gegenargumenten noch zu stoppen, dann gebe es durchaus noch Hoffnung.

Leises Gelächter gibt es im Saal, wenn Geißler an der Technik zweifelt. Sonst wird andächtig gelauscht. Keiner möchte Argumente versäumen, denen er zustimmen kann oder die er später in Gesprächen widerlegen möchte. «Die Leute sind mit vollem Ernst bei der Sache. Hier geht es um eine Lösung», sagt Schwester Petra von der St. Anna Klinik. Nach der emotionalen Debatte sei es gut, dass jetzt die verschiedenen Stimmen zu Wort kommen - in Ruhe.

Verkehr / Bahn / Stuttgart 21
22.10.2010 · 23:14 Uhr
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