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Report: Geißler befürchtet «Fürchterliches» für Bahn

Heiner Geißler, der Moderator bei der Präsentation eines Gutachtens der Schweizer Verkehrsberatungsfirma sma, spricht im Rathaus in Stuttgart.Großansicht

Stuttgart (dpa) - Die Enttäuschung ist dem politischen Schlitzohr ins Gesicht geschrieben. Da sitzt Heiner Geißler nun nach zehn Stunden schlauchender Schlichtung im Stuttgarter Rathaus, und ein Stuttgart-21-Befürworter nach dem anderen zerpflückt seinen Kompromissvorschlag.

Dabei hatte der frühere CDU-Generalsekretär auf den Überraschungseffekt gehofft. Um kurz vor 18.00 Uhr sieht es so aus, als wollten die Projektgegner die Sitzung aus Frust verlassen. Geißler ergreift das Wort und spricht von «Frieden in Stuttgart». Wenige Sekunden später wird sein 16-seitiges Konzept im Saal verteilt. Die Kunde verbreitet sich im Nu, auch bei den hunderten Stuttgart-21-Gegnern vor dem Rathaus: Geißler will eine Kombi-Lösung aus altem Kopf- und neuem Tiefbahnhof. Draußen vor der Tür brandet Jubel auf.

Nach einer halben Stunde Denkpause kommen die Gladiatoren wieder im mittleren Sitzungssaal im 4. Stock des Rathauses zusammen. Als erster lehnt der Präsident der Region Stuttgart, Thomas Bopp (CDU), das Konzept als veraltet ab. Dann folgt Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU), der in langwierigen Ausführungen die Chancen von Stuttgart 21 hervorhob. Dann kommt CDU-Fraktionschef Peter Hauk dran. «Der Vorschlag ist honorig und ehrenwert, aber er kommt 15 Jahre zu spät.» Bahn-Vorstand Kefer hält sich da noch zurück.

Geißler hört geduldig zu. Doch dann platzt es aus ihm heraus: «Das eine sage ich Ihnen: Die Volksabstimmung und der Wahlkampf wird, wenn die Konfrontation bleibt, fürchterlich.» Der Wahlkampf für das im Herbst geplante Plebiszit werde vor allem auf dem Rücken der Bahn ausgetragen, da der Konzern dann zwangsläufig wieder in Erklärungsnot geraten werde. «Wenn ich Generalsekretär des Aktionsbündnisses wäre, würde ich mich auf den Wahlkampf freuen.»

Doch dann will er es doch nicht gesagt haben. Er habe nur in alter Verbundenheit an seine Partei, die CDU, gedacht. Noch einmal wirbt er dafür, seinen «Denkanstoß» einige Tage zu wägen. «Wir sind nicht in der Stierkampfarena von Pamplona, sondern in Stuttgart.»

Bahnvorstand Kefer nimmt erstmal keine Stellung zu Geißlers Vorschlag. Unter der Hand gibt die Bahn aber zu verstehen, dass sie dem Konzept keine Chance gibt. Kefer sieht nun Grüne und SPD unter Zugzwang. Er appellierte an die grün-rote Landesregierung, sich endlich einig zu werden. Schließlich habe die schwarz-gelbe Vorgängerregierung das Projekt angestoßen. Ohne Unterstützung der Nachfolger werde es schwer, Stuttgart 21 zum Erfolg zu machen. «So kann das nicht weitergehen», mahnt Kefer Grün-Rot.

In gewohnt souveräner Art hatte Geißler die Diskussionsrunde geführt. Im Sitzungssaal geht es ein bisschen wie im Stadion zu, denn die Pfeifkonzerte von draußen sind gut zu hören. Als Bahn-Vorstand Kefer die Vorstellungen des grünen Verkehrsexperten Boris Palmer ins «Wolkenkuckucksheim» verweist, ist es soweit: Durch verschlossene Fenster schallen die Rufe «Lügenpack».

Verkehr / Bahn / Stuttgart 21
29.07.2011 · 22:33 Uhr
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