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Report: Gedränge im Plenarsaal erwartet

Zusätzliche Stühle stehen im Plenarsaal des Bundestags bereit. Dort werden am Mittwoch zur Wahl des Bundespräsidenten nicht wie üblich 612 Bundestagsabgeordnete Platz nehmen, sondern die 1224 Teilnehmer der Bundesversammlung.Großansicht
Berlin (dpa) - Die edel anmutenden blauen Mäppchen mit dem silbernen Adler liegen griffbereit. Die 1244 Delegierten der Bundesversammlung finden darin ihre Wahlausweise und sonstige nützliche Hinweise.

Eine Menge Überstunden haben rund 80 Mitarbeiter aus diversen Referaten der Parlamentsverwaltung in den vergangenen Wochen geleistet. Praktisch aus dem Stand musste die zweite Präsidentenwahl fast innerhalb eines Jahres auf die Beine gestellt werden. Nach dem abrupten Rückzug von Horst Köhler blieben nur 30 Tage Zeit. Im Eiltempo wurde der Plenarsaal umgebaut und die breiten Originalstühle gegen schmalere Sitze ausgetauscht.

Großes Gedränge steht am Wahltag auf jeden Fall bevor. Etwa 3300 Menschen werden sich unter der Glaskuppel des Reichstags versammeln - mehr dürfen es aus Gründen des Brandschutzes nicht sein. Neben den 622 Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Vertretern aus den 16 Landesparlamenten sowie 89 Ersatzmitgliedern kommen noch rund 1000 Journalisten und mehr als 500 Ehrengäste dazu.

Zehn Kabinen werden um 12.15 Uhr in der Osthalle des Reichstags geöffnet. Dort werden Wahlzettel ausgefüllt und in einen Umschlag gelegt. Die eigentliche Stimmabgabe erfolgt danach im Plenarsaal. Für die Auszählung des ersten Wahlgangs werden gut 100 Minuten veranschlagt.

Fast alle Wahlmänner und -frauen trafen schon am Dienstag in Berlin ein. Den Vertretern aus den Ländern steht bis zur Abreise am Donnerstag eine Aufwandspauschale von 60 Euro pro Tag zu. Dazu werden Hotelkosten bis zu einer Höhe von 170 Euro pro Nacht übernommen. Ebenso die Fahrtkosten 1. Klasse für die Bahn, alternativ ein Hin- und Rückflug in der Business-Kategorie. Für Taxikosten innerhalb Berlins gibt es pauschal 100 Euro. Die Erstattung erfolgt neuerdings nicht mehr bar auf die Hand, sondern per Überweisung. Die Bundestagsabgeordneten, die ohnehin zur Plenarwoche in Berlin sein müssen, haben allerdings keinen Anspruch darauf. An alle wird als «Erinnerungsgabe» eine CD von den Festlichkeiten zur deutschen Einheit aus dem Jahr 1990 verteilt.

Mit Abstand ältester Wahlmann ist der 97-jährige Erich Knorr. Der Alt-Kommunist und NS-Verfolgte wurde von der Linkspartei in Sachsen nominiert. In Berlin mitwählen darf auch der sächsische NPD-Fraktionschef Holger Apfel. Der Rechtsextremist war nach einer Israel-Hetzrede kürzlich für zehn Landtagssitzungen ausgeschlossen worden. Diese «rote Karte» gilt aber nicht für die Präsidentenwahl.

Auch Prominente aus Kultur und Sport sowie altgediente Politgrößen sind wieder dabei - allerdings deutlich weniger als bei der letzten Wahl im Mai vergangenen Jahres. Um ihre rechnerische Mehrheit durch mögliche «Wackelkandidaten» nicht aufs Spiel zu setzen, hat die Koalition diesmal dabei gespart. Von der Union wurden neben anderen die Verlegerin Friede Springer und der Unternehmer Hubert Burda aufgestellt. Von der SPD werden die fünffache Goldmedaillen-Gewinnerin der Paralympics, die blinde Verena Bentele, die Rollstuhlsportlerin Irmgard Wandt und die Paralympics-Reiterin Hannelore Brenner für Gauck ins Rennen geschickt. Für die Grünen kommen etwa die Schauspielerinnen Nina Hoss und Martina Gedeck, der Regisseur Sönke Wortmann und die einstige FDP-Präsidentschaftskandidatin Hildegard Hamm-Brücher. Prominentester Nicht-Politiker bei den Liberalen ist IOC-Vizepräsident Thomas Bach.

Erst nach der Vereidigung des neuen Staatsoberhaupts am Freitag beginnt im Plenarsaal der Rückbau. Nach dieser kurzen Zeremonie vor Bundestag und Bundesrat erwartet den Gewählten ein erstes Privileg. Bundestagspräsident Norbert Lammert überreicht ihm noch vor der Amtsübernahme im Schloss Bellevue den Verdienstorden der Bundesrepublik. Der Bundespräsident ist der einzige im Lande, dem diese Auszeichnung nicht «verliehen» wird, sondern der sie per Amt «trägt».

Bundespräsident
29.06.2010 · 22:22 Uhr
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