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Report: Gauck bei der Linken in entspannter Atmosphäre

Gauck besucht die Links-FraktionGroßansicht
Berlin (dpa) - Ganz geheuer war Joachim Gauck das Treffen mit der Linksfraktion nicht. «Vielleicht komme ich ja ganz schnell raus, weil es gar nicht geht», sagte der frühere Stasi-Akten-Beauftragte, bevor er zwischen Fraktionschef Gregor Gysi und Parteichefin Gesine Lötzsch Platz nahm.

Es sei bekannt, dass er nicht «in besonders großer Nähe» zu der Linken stehe. Über das «freundliche Einladungsschreiben» habe er sich trotzdem gefreut und sich gedacht: «Das ist mal etwas Neues, da gehst Du hin.»

Eine halbe Stunde hatten Gauck und die Fraktionsführung für das Vorstellungsgespräch eingeplant. Letztlich hatten sie sich dann doch so viel zu sagen, dass rund 50 Minuten daraus wurden. Gysi sagte anschließend, man hätte auch noch zwei weitere Stunden miteinander reden können: «Es war nie eine unangenehme oder sehr angespannte Atmosphäre.»

Gauck soll von einzelnen Abgeordneten sogar Applaus bekommen haben. Der frühere DDR-Bürgerrechtler war ebenfalls angetan von dem Gesprächsverlauf. «Es war eine sehr sachliche, sehr aufgeschlossene, auch faire Begegnung», sagte er.

So viel Harmonie war nach den scharfen Wortgefechten, die sich Gauck und die Linke in den vergangenen Wochen geliefert haben, nicht selbstverständlich. So hatte der frühere Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine Gauck vorgeworfen, in der DDR Privilegien genossen und sich mit dem System arrangiert zu haben. Die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping hielt ihm vor, dass er die DDR-Diktatur in die Nähe der NS-Diktatur rücke und damit das Hitler-Regime verharmlose.

Gauck ließ im Gegenzug keine Gelegenheit aus, Teile der Linken als rückwärtsgewandt zu kritisieren: «Es gibt in der Linken immer noch Personen, die das alte DDR-System irgendwie als fortschrittlich verkaufen wollen», sagte er. Gegen die Beobachtung der Linken durch den Verfassungsschutz hatte er zumindest keine Einwände. Die Behörde werde schon ihre Gründe dafür haben.

Die Partei- und Fraktionsspitze der Linken kategorisierte Gauck schon frühzeitig wie auch den schwarz-gelben Kandidaten Christian Wulff als unwählbar. «Es ist ein äußerst ungewöhnliches Verhalten, wenn man uns erst beschimpft, aber dann unsere Stimmen erhalten will», sagte der Parteivorsitzende Klaus Ernst. Die Bundestagsabgeordnete und Präsidentschaftskandidatin Luc Jochimsen wurde noch deutlicher: Gauck zu wählen wäre «zu viel Nutte in der Politik».

Der Konflikt wurde durch das Treffen einen Tag vor der Wahl zumindest entschärft. In der Sache bleiben die Differenzen aber. Die Haltung Gaucks zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan und zum Sozialabbau passt der Linken immer noch nicht. Die Unterschiede seien «sehr deutlich» geworden, sagte Gysi. Vor allem aber sind die Linken sauer, dass SPD und Grüne sie in ihre Kandidatensuche nicht eingebunden haben. Man sei «wie der letzte Dreck» behandelt worden, sagte Gysi. Die Art des Umgangs sei unerträglich.

Die Linke wird am Mittwoch nun im ersten Wahlgang ihre eigene Kandidatin Jochimsen wählen und auch in einem zweiten, wenn es dazu kommt. Wie sich die 124 Wahlleute der Linken verhalten, wenn Wulff in den beiden ersten Anläufen scheitert, bleibt bis zuletzt offen. «Wenn es wirklich einen dritten Wahlgang geben sollte, dann brauchen wir nach dem zweiten eine längere Pause», sagte Gysi. Er vermute aber, dass sich an der kritischen Haltung der Linken-Abgeordneten zu Gauck nichts geändert habe. «Dazu waren die Widersprüche dann letztlich auch zu deutlich.»

Bundespräsident / Linke
29.06.2010 · 22:22 Uhr
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