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Report: Frankfurter Flughafen im Chaos

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Frankfurt/Main (dpa) - Dorothee Schäfle lehnt ihr Gewicht auf das linke Bein und schüttelt den rechten Fuß aus - nach stundenlangem Warten in den Schlangen am Frankfurter Flughafen tut ihr einfach nur noch alles weh.

«Ich kann nicht mehr, es ist zum Verzweifeln», sagt die 63-Jährige und rückt wenige Zentimeter vor. Um dem Schalter zehn Meter näherzukommen, braucht sie ganze eineinhalb Stunden. Schäfle ist eine von 8000 Fluggästen, die wegen heftiger Schneefälle auf Deutschlands größtem Airport in der Nacht zum Dienstag ein Chaos mit Flugausfällen, Verspätungen und Umbuchungen durchlebten. Zwei Tage vor Heiligabend waren Tausende Passagiere stundenlang aufgeschmissen.

Die Frankfurter Schnee-Nacht steht vielen Passagieren am Dienstag ins Gesicht geschrieben. In den Schluchten aus Warteschlangen stützen sie sich ermattet auf Gepäckwagen, lehnen sich an Deckenpfeiler oder hocken mit hängenden Köpfen auf dem Boden. Das Ausharren zermürbt und zehrt an ihren Nerven. «Gestern fand ich das noch sehr geordnet. Der Ablauf war gut. Wir konnten mit Taxis ins Hotel», berichtet Fluggast Schäfle. Sie und 5000 Passagiere erhielten Unterkünfte in der Umgebung. Die restlichen 3000 wurden im Flughafen versorgt. Sie campierten auf 1000 Feldbetten oder nutzen die Bänke und Stühle. Der Flughafenbetreiber Fraport versorgte sie mit Decken und Verpflegung.

Das wahre Chaos begann erst am nächsten Morgen. «Der Ablauf heute ist absolut chaotisch. Das Umbuchen läuft überhaupt nicht. Hier weiß niemand Bescheid. Weder wir, noch das Servicepersonal», sagt Schäfle am Dienstagmittag. Auch Jindrich Fanfrlik (29), der von Australien über Frankfurt nach Prag gewollt hatte, ist ratlos: «Alle sagen etwas anderes, wir wissen nicht einmal, in welche Schlange wir uns stellen sollen.» Vier Mal hätten sie ihn in der Nacht zu Dienstag an andere Abflug-Gates geschickt, um dann weit nach Mitternacht mitzuteilen, dass der Flug gestrichen sei. Nach dem kurzen Aufenthalt im Hotel hat er nun erfahren, dass auch sein Prag-Flug am Dienstag ausfalle.

Um 22.44 Uhr hatte Fraport alle drei Pisten des Flughafens wegen massiven Schneefalls gesperrt. Fortan war der Winterdienst pausenlos im Einsatz. «Die Start- und Landebahnen werden jeweils von einem Konvoi befahren, der aus 17 Fahrzeugen besteht», berichtet Fraport- Sprecher Jürgen Harrer über die Arbeit der mehr als 300 Winterdienst- Mitarbeiter. Doch für den Betrieb müssen nicht nur die Pisten schnee- und eisfrei sein - sondern auch 150 Kilometer Straßen und 250 Kilometer Wege. Erst um kurz vor 03.00 Uhr war die erste Bahn wieder freigegeben. «Dass wir das letzte Mal solche Behinderungen hatten, das muss viele, viele Jahre her sein», sagt Sprecher Harrer.

In den Wartehallen weiß Holger Mehnen derweil nicht mehr weiter. Aus Katar wollte er am Dienstag über Frankfurt nach Hamburg und ist nun im Chaos gelandet. «Es sind viel zu wenig Leute hier, obwohl die über Nacht doch mehr hätten holen können.» Mehnen würde ja einen Zug für den Rest der Strecke nehmen. «Aber die haben ja mein Gepäck.» Das sollte eigentlich direkt in den Anschlussflieger gebracht werden und lagert nun irgendwo - wo genau, verrät dem Besitzer niemand.

Ein paar Meter weiter steht Tobias Reis aus München. Er wollte am Montag nach Hawaii in den Urlaub - doch der verkürzte sich um mindestens eine unfreiwillige Hotelnacht in Frankfurt. Und auch am Dienstag scheint Hawaii noch unerreichbar. «Hier kriegt heute keiner mehr den Flug, den er geordert hat. Ich bin wahrscheinlich froh, wenn ich es bis heute Nacht wenigstens in die USA schaffe», sagt der 52-Jährige, der trotz des Ärgers die Ruhe wahrt. «Ändern kann ich es eh nicht.»

Ein tschechischer Fluggast hingegen hatte sich in der Nacht zum Dienstag nicht beherrschen können. Nach Pöbeleien aus Wut über die Verspätungen war er auf einen Flugkapitän und später auf Polizisten losgegangen. Ein Beamter verletzte sich dabei leicht.

Fraport-Sprecher Harrer sagte am Dienstag, frühestens Mittwoch sei wieder mit geregeltem Betrieb zu rechnen. Dass sich die Verzögerungen fortschleppten, sei trotz bestehender Notfallpläne für Logistik und Personal nicht zu ändern. «Das ist einfach eine Extremsituation.»

Wetter / Verkehr / Luftverkehr
22.12.2009 · 16:58 Uhr
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