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Report: Fehmarn gewinnt Kampf gegen den Schnee

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Fehmarn (dpa) - Die Anspannung steht Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt ins Gesicht geschrieben: Blass und übernächtigt wirkt der 53-Jährige am dritten Tag der Schneekatastrophe auf Fehmarn.

«Bis zum Mittag kriegen wir die beiden letzten Orte im Inselinneren frei», sagt er am Morgen entschlossen und behält recht. Schmiedt kennt sich als ehemaliger Bundeswehroffizier mit Notsituationen bestens aus; als Soldat half er 1978/79 bei der großen Schneekatastrophe auf der Insel.

Diesmal sind die Fehmarner besser davongekommen als damals, auch dank frühzeitiger Wetterwarnungen und der neuen Technik, sprich Mobiltelefonen - weil so die Fahrzeuge jederzeit erreichbar waren. «Statt 14 Tagen hat es nur vier gedauert, alles wieder frei zu kriegen», freut sich Schmiedt. Zu den rund 80 Bewohnern von Hinrichsdorf und Ostermarkelsdorf drangen die schweren Schneefräsen am Montag als letztes vor. Seit Samstag waren die Dorfbewohner von den meterhohen Schneemassen eingeschlossen.

Im Gegensatz zu den chaotischen Zuständen im Inselinneren bietet der Hauptort der Insel, Burg, am Montag ein überraschend idyllisches Winterlandschaftsbild: Straßen und Wege passierbar, der Schnee am Wegesrand nur wenige Zentimeter hoch. Doch der Eindruck täuscht - kurz dahinter gibt es abseits der Hauptstraße oft kein Durchkommen.

Der Schnee, vorangepeitscht von Daisy, türmte sich stellenweise bis zu 3,50 Meter hoch. Die schwere rote Walze und die mannshohen schwarzen Räder der Fräse zerteilen die hartgefrorenen weißen Massen, hinter denen dunkle Erde zum Vorschein kommt. Für nicht mal einen Kilometer braucht sie fast eine halbe Stunde. «Da musste zunächst selbst schwerstes Gerät passen», sagt Insel-Bauhofleiter Timo Jädke, der sich kaum mehr auf den Beinen halten kann. «Seit 56 Stunden», sagt er leise, «hab ich nur drei Stunden geschlafen».

Den Durchbruch der Schneefräse erlebt Landwirt Karl-Eduard Albert (65) aus Ostermarkelsdorf als einer der Ersten. Sein Hof liegt direkt am Ortsrand. Nach der «Befreiung» geben er und sein Nachbar Peter- Joachim Kunz (69) sich gelassen: «Uns kann nichts erschüttern», sagen sie und fügen lächelnd hinzu: «Solange wir noch was zu essen haben». Dank der rechtzeitigen Warnungen habe man gut vorgesorgt. «Wir Insulaner sind immer vorbereitet und hart im Nehmen».

Bürgermeister Schmiedt und Bauhofleiter Jädke loben die rund 300 Einsatzkräfte und freiwilligen Helfer. Sie sind rund um die Uhr im Einsatz: acht Stunden Schlaf, acht Stunden Kampf gegen den Schnee. Immer wieder bleiben selbst die Fräsen stecken. Auch nach dem Durchbruch nach Ostermarkelsdorf muss die Fräse zunächst zurück in den Bauhof, um repariert zu werden.

25 Räumfahrzeuge, Tieflader und Schneefräsen schieben seit Tagen tonnenweise den Schnee zur Seite. In Strandnähe liegt er jetzt bis zu sechs Meter hoch aufgetürmt. Bürgermeister Schmiedt ärgert sich über den Landkreis, der viel zu spät und nicht entschlossen genug eingegriffen habe. «Wir mussten erst die Bundes- und Landstraßen freimachen, deshalb schneiten 35 von 42 unserer Dörfer zu», sagt Bauhofleiter Timo Jädke. Doch das sei eigentlich Aufgabe der Straßenmeisterei gewesen, die aber die Lage unterschätzt habe.

Die Gemeinde will jetzt sehen, wie sie die rund 250 000 Euro Kosten schultert. Allein 15 000 Liter Diesel wurden vertankt. Räumgerät wurde auch von den beiden Baufirmen auf der Insel angemietet und die Schneefräse flottgemacht, die die Gemeinde seit 30 Jahren eingemottet hatte. «Ich dachte eigentlich angesichts des Klimawandels, dass wir solche Winter nicht mehr kriegen», sagt Schmiedt. «Aber die Natur ist unberechenbar.»

Wetter / Verkehr
11.01.2010 · 22:13 Uhr
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