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Report: Erst Schüsse, dann Stille

US-Präsident Barack Obama im Großansicht

Washington (dpa) - Nervöse Anspannung herrscht im Lagezentrum des Weißen Hauses. US-Präsident Barack Obama knetet seine Hände, während er den wichtigsten Militäreinsatz der vergangenen Jahre live verfolgt. Mit im «Situation Room» sitzen an diesem Sonntagnachmittag nur seine engsten Mitarbeiter.

Neonlicht erhellt den klimatisierten Raum, an einer Wand prangt ein riesiger Bildschirm. Tausende Kilometer entfernt fliegen US-Soldaten soeben mit Hubschraubern auf ein Anwesen in der ruhigen nordpakistanischen Stadt Abbottabad zu. Dort ist es bereits kurz nach Mitternacht. Ziel des Einsatzes «Geronimo»: Osama bin Laden.

Kameras übertragen die Bilder aus Pakistan live via Satellit nach Washington. Obama sitzt etwas abseits von den anderen, während Soldaten des Elitekommandos Navy Seals landen. Bis zu fünfeinhalb Meter hohe Mauern mit Stacheldraht umgeben die Anlage. Vom Weißen Haus später veröffentlichte Fotos und Tonaufnahmen dokumentieren, wie Außenministerin Hillary Clinton sich erschrocken die Hand vor den Mund hält. CIA-Chef Leon Panetta kommentiert aus der nahegelegenen Zentrale des US-Geheimdienstes den Einsatz per Videoschaltung: «Sie haben das Ziel erreicht.»

Schüsse fallen, Bin Laden und seine Männer leisten heftigen Widerstand. Eine gewaltige Explosion erschüttert die Szene - ein US-Hubschrauber ist abgestürzt. Dann herrscht plötzlich Stille. «Die Minuten verstrichen, als wären es Tage», erinnert sich später Anti-Terror-Chef Brennan. Schließlich tönt es aus Pakistan im Lautsprecher: «Geronimo, EKIA.» Das steht für «Enemy Killed In Action» - der Feind ist im Gefecht gefallen.

Im Lagezentrum kann es offenbar niemand so recht fassen. Nach Brennans Worten herrscht eine Zeit lang absolutes Schweigen im Situation Room. Dann sagt Obama: «Wir haben ihn.» 40 Minuten nach Einsatzbeginn liegt Bin Laden von der Kugel eines Elitesoldaten getroffen tot am Boden der dreistöckigen Villa. Am Abend, nachdem die Identität des Al-Kaida-Chefs mit einer DNA-Probe bestätigt ist, tritt der Präsident vor die Kameras und verkündet die Nachricht.

Es ist nicht das erste Mal, dass die US-Regierung Einsätze in Echtzeit im Situation Room mitverfolgt. Das Lagezentrum kommt aber nicht nur in Krisenzeiten zum Einsatz. Bis zu 25 Treffen gibt es hier pro Tag. «Aus dem Raum lassen sich Videokonferenzen zu rund 1800 Orten auf der ganzen Welt herstellen», sagt der Chef der Zentrale, Jeff Harley. Mit wenigen Handgriffen können Botschaften, Behörden und Geheimdienste zugeschaltet werden. Wichtig ist dabei: Alle Leitungen sind absolut abhörsicher.

Der erste Situation Room wurde im Mai 1961 zu Beginn der Regierung unter John F. Kennedy eingerichtet - einen Monat nach dem missglückten Invasionsversuch von Exilkubanern in der kubanischen Schweinebucht, um Fidel Castro zu stürzen.

An der Aktion war die CIA maßgeblich beteiligt. Nur eineinhalb Jahre später stellte die Kubakrise die Schaltzentrale vor ihre erste große Bewährungsprobe. Damals hatte die Sowjetunion damit begonnen, auf der Insel Raketen für Atomsprengköpfe zu stationieren.

Heute ist der Raum im Westflügel des Weißen Hauses Schnittstelle für Informationen aus aller Welt. Hier arbeiten Experten aus dem Heimatschutzministerium, den Geheimdiensten und der Armee. «Wir sind hier, damit der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika alle wichtigen Information erhält, die er braucht», sagt Lagezentrum-Chef Harley. «24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.»

Terrorismus / USA
03.05.2011 · 21:57 Uhr
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