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Report: Eisige Stimmung am eingeschneiten Flughafen

Chaos am Flughafen FrankfurtGroßansicht

Frankfurt/Main (dpa) - Eisige Stimmung am verschneiten Frankfurter Flughafen. Die Terminals völlig überfüllt, übernächtigte Fluggäste vor den Schaltern, die wenigen Service-Mitarbeiter sichtlich überfordert.

Zwar bemühen sich der Betreiber Fraport und die Fluggesellschaften zunehmend um die gestrandeten Passagiere. Doch Entwarnung ist weiter nicht in Sicht - im Gegenteil: Am Nachmittag setzen erneut heftige Schneefälle ein. Der Start in die Winterferien gerät für viele Reisende zur Odyssee.

Zumindest bleiben am Sonntag tumultartige Szenen wie noch am Samstag aus. Polizisten hatten aufgebrachte Fluggäste beruhigen müssen, die sich vor den Gepäckschaltern seit Stunden die Beine in den Bauch gestanden hatten. Es gehe «insgesamt geordneter» zu, befindet ein Fraport-Sprecher. Doch die Anspannung ist spürbar.

Am Sonntagmittag wird plötzlich Terminal 1A zeitweise gesperrt - wegen Überfüllung, heißt es. Nur noch sporadisch und scheinbar willkürlich werden einzelne Passagiere durchgelassen. Die Fraport- Mitarbeiter an der Absperrung reagieren weitgehend schroff und überfordert: «Wir erklären hier nichts», sagt einer.

Auch bei vielen Reisenden hat sich Wut angestaut. Maria Pichler- Paulus (53) ist seit 20 Stunden unterwegs aus dem mexikanischen Cancún in Richtung Wien. Sie nennt die Organisation eine Katastrophe und schimpft über mangelnde Information: «Ich kann jeden verstehen, der hier in den Flughafen eine Bombe reinschmeißen will.»

Äußerst entnervt ist auch US-Soldat Xavier Nenneman (23), der sich Sonntagnachmittag bereits auf seine dritte Nacht auf einem Feldbett im Terminal 2 einstellt. «Ich habe seit zweieinhalb Tagen nicht geduscht und komme mir vor wie Tom Hanks in "The Terminal"», sagt Nenneman, der im rheinhessischen Baumholder stationiert ist. Er will über Paris heim nach Indianapolis fliegen, wo seine Frau und sein kleines Kind auf ihn warten. «Die erste Familien- und Weihnachtsparty habe ich schon verpasst.»

Auch Andrea Behi zeigt sich wenig entspannt: «Nach fünf Stunden wurden wir umgebucht, dann wurde dieser Flug gestrichen und wir bekamen Bahntickets», erzählt sie am Samstag sichtlich aufgebracht. Da aber auch kein Zug fuhr, sei sie von Bremen aus mit einem Mietwagen nach Frankfurt gekommen. «Die Lufthansa ist eine Katastrophe. Die sagt nur, das sei eben so und man buche ja um. Es sind kaum Ansprechpartner da und viel zu wenige Schalter besetzt», klagt Behi.

Eine Lufthansa-Sprecherin versichert: «Wir versuchen, unseren Passagieren bestmöglich zu helfen. Es wird nicht nur eingecheckt, sondern auch umgebucht, deswegen dauert es länger.» Mit einem Sonderflugplan, der noch bis einschließlich Montag Gewähr haben soll, bemüht sich die Fluggesellschaft um Besserung. Wer innerhalb Deutschlands fliegen wolle, solle lieber gleich die Bahn nehmen. Insgesamt fiel in Frankfurt bis zum Sonntagnachmittag mehr als jeder dritte Flug aus: 560 von 1340 Flügen wurden gestrichen.

Ein Lufthansa-Servicemann verteilt am Sonntagmittag Brötchen, Schokolade und Getränke - nicht nur für Lufthansa-Passagiere: «In dieser Situation nehmen wir das mal nicht so genau.» Eine Angestellte der Fluggesellschaft mit gelber Leuchtjacke, die die Reisenden informieren soll, berichtet: «Die Situation ist jetzt am Sonntagmittag wieder angespannter geworden, aber mir begegnen die Leute doch fast alle freundlich.»

Eine 21-köpfige japanische Reisegruppe ist schon seit Freitag in Frankfurt gestrandet - auf dem Weg von Japan nach Paris, wo sie ihren Weihnachtsurlaub verbringen will. Eine Nacht im Hotel, dann eine auf Feldbetten am Flughafen, die nach Auskunft von Kidokoro Takumi (29) schrecklich war. Von den gut tausend Feldbetten auf dem Flughafen waren nach Auskunft einer Fraport-Sprecherin in der Nacht zum Sonntag rund 75 Prozent belegt.

Sogar Engel und Zauberer bot Fraport am Sonntag auf, um die eisige Stimmung etwas aufzuwärmen. Doch gegen das Wetter konnten auch diese nichts ausrichten: Der Winter wirbelt den Flugplan weiter kräftig durcheinander.

Wetter / Verkehr / Luftverkehr
19.12.2010 · 21:44 Uhr
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