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Report: Ein Knall in der Nacht

Die Wucht des Aufpralls ließ den Zug aus den Schienen springen.Großansicht

Hordorf (dpa) - Die Wucht des Aufpralls ist unbeschreiblich: Noch in kilometerweiter Entfernung hören die Menschen in der Nacht zum Sonntag einen unheimlichen Knall, als gegen 22.30 Uhr ein Güterzug und eine Regionalbahn in Hordorf bei Oschersleben auf eingleisiger Strecke ungebremst zusammenstoßen.

Mit katastrophalen Folgen: Mindestens zehn Menschen sterben, 23 werden verletzt, einige lebensbedrohlich. Bei einigen ist am Sonntagnachmittag noch nicht klar, ob sie überhaupt durchkommen. Viele junge Passagiere, so wird in Hordorf spekuliert, hatten einen Disco-Besuch in Halberstadt geplant.

Den Helfern bietet sich ein Bild des Grauens: Der Güterzug hat den Harz-Elbe-Express komplett von der Schiene gefegt. Die zertrümmerte Regionalbahn liegt auf schneebedecktem Feld, der Güterzug steht dagegen wie unbeschadet auf dem Gleis.

Es ist bitterkalt und neblig, als die ersten Retter am Unglücksort eintreffen. Aus der gesamten Region Magdeburg kommen alle verfügbaren Rettungskräfte zum Einsatz. Fieberhaft kämpfen sie sich durch die Zugtrümmer, um Verletzte zu retten und die Toten zu bergen. Das Feld neben dem Gleis ist mit grellem Scheinwerferlicht ausgeleuchtet. Doch der Nebel ist so dicht, dass keine Rettungshubschrauber fliegen können. So müssen die Verletzten mit Krankenwagen in die Krankenhäuser gebracht werden.

Bis 02.00 Uhr haben die Einsatzkräfte acht Leichen geborgen, sie liegen mit Folien bedeckt neben dem Zugwrack. Um den Überblick nicht zu verlieren, haben die Sanitäter Nummern aus Pappe auf die leblosen Körper gestellt. Zwei weitere Leichen müssen noch geborgen werden. Doch nicht nur wegen der großen psychischen Belastung müssen die Bergungskräfte an die Grenzen des Menschenmöglichen gehen: Die Leichen liegen inmitten der Wrackteile. Ob es noch weitere Opfer gibt, soll mit Hilfe von Spürhunden geklärt werden, die auf dem Unglücksgelände im Einsatz sind. Doch - wenn es denn eine gute Nachricht in dieser Nacht gibt - die Hunde schlagen nicht wieder an.

Es ist ein schwacher Trost, doch der Einsatz von Polizei und Rettungskräften ist laut Einsatzstab gut gelaufen. «Das hat aus meiner Sicht hervorragend geklappt», sagt der sichtlich bewegte Innen-Staatssekretär Rüdiger Erben, als er den Ort der Katastrophe inmitten der Nacht verlässt.

Viele Helfer des Deutschen Roten Kreuzes und des Technischen Hilfswerks stehen zu diesem Zeitpunkt noch erschüttert an dem Gleis, können aber nichts mehr tun. Sie blicken ratlos auf die Leichen, den zerstörten Harz-Elbe-Express und den Güterzug, der mit unfassbarer Wucht seinen Platz auf dem Bahngleis behauptet hat. «Das geht mir unter die Haut», bringt Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) die Gefühlslage der Rettungskräfte auf den Punkt, als er am Sonntagmorgen am Unglücksort eintrifft. Danach besucht der frühere Krankenhaus- Chefarzt Verletzte in den Kliniken, spendet Trost und dankt den Ärzten für ihren Einsatz.

Bahn / Verkehr / Unfälle
30.01.2011 · 17:53 Uhr
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