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Report: EHEC vom Biohof? - Stunde der Kontrolleure

Die Quelle der EHEC-Epidemie sollen Gemüsesprossen eines niedersächsischen Biohofes sein. Nun stellen Kontrolleure den Betrieb auf den Kopf.Großansicht

Bienenbüttel (dpa) - Hinter einem Busch auf dem Gärtnerhof in Bienenbüttel kommen drei Männer in Schutzanzügen hervor. Weißer Mundschutz, Gummihandschuhe - wie in einem Science-Fiction-Film.

Die Kameras der beiden Fotografen auf der anderen Seite des Zaunes rattern los. Sicherheitsleute versperren ihnen mit einem Auto die Sicht. Von hier soll die Epidemie ihren Ausgang genommen haben. «Der Besitzer war eben zu sehen», sagt einer der beiden. Auf dem vollgeregneten Teleobjektiv klebt eine tote Mücke. Die Fotografen sitzen hier seit Stunden, ein Regenschirm bietet nur wenig Schutz vor dem Landregen.

In einem Carport auf dem Hof stehen zwei weiße Transporter mit Berliner Kennzeichen, die Wagen gehören zum Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Auch Experten des Landesamtes für Verbraucherschutz (Laves) und der Kreisveterinär seien im Einsatz, heißt es beim Landwirtschaftsministerium in Hannover. Insgesamt seien es etwa zwölf Mann. «Sie stellen den Betrieb auf den Kopf», bestätigt der Sprecher. «Untersucht werden auch ungewöhnliche Infektionsmöglichkeiten. Dazu gehören auch Haustiere und die Abwasserentsorgung.»

Drei weitere Journalisten suchen auf dem Feldweg nach anderen Perspektiven, direkt am Zaun ist ein Trampelpfad entstanden. Am Montag war draußen der Teufel los. Medienleute aus aller Welt belagerten den Hof nicht weit von Lüneburg. Sie sendeten live in die USA und nach Großbritannien, nach Frankreich, Dänemark, Belgien, Tschechien und in die Ukraine. Dienstag folgten Israelis und Russen. Gleich mehrere spanische Sender waren gekommen, nachdem vorübergehend Gurken aus Spanien in Verdacht geraten waren, die lebensgefährlichen EHEC-Keime verbreitet zu haben. Jetzt geht es um Sprossengemüse aus Bienenbüttel.

Am Ende der kleinen Sackgasse im Ortsteil Neu-Steddorf ist nun wieder Ruhe eingekehrt. «Der Nabel der Welt ist wieder verlegt worden, vielleicht nach Israel», sagt Bruno Greve. Der 79-Jährige wohnt direkt neben dem Tor zum Gärtnerhof, das bis Sonntagabend immer offen stand. Dann kam der Bescheid, der alles änderte. Seitdem geht in dem Betrieb keiner mehr ans Telefon.

Nur der Anrufbeantworter läuft. «Wir, der Gärtnerhof Bienenbüttel, sind erschüttert und besorgt über die Nachricht vom 05.06., dass ein Teil unserer Ware durch EHEC-Erreger verunreinigt sein soll», heißt es in einer Pressemitteilung des Hofes. «Nach Bekanntgabe durch die Behörden haben wir sofort alle Kunden informiert und die Ware zurückgerufen.»

Die Männer in den hellblauen Schutzanzügen kommen wieder hinter den Büschen hervor und stopfen Tüten in blaue Plastik-Mülltonnen. Ohne Mundschutz, keine Handschuhe - der Inhalt der Beutel scheint also diesmal weniger gefährlich zu sein. Dahinter leuchtet orange ein gewaltiger Metallcontainer. Es regnet immer noch, die Kühe auf der Weide nebenan drängen sich unter einem Baum zusammen.

Gesundheit / Infektionen
08.06.2011 · 22:54 Uhr
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