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Report: Deutsche und Urlauber verlassen Japan

«Nur noch raus» - das sagen sich viele Reisende, die auf dem Flughafen Narita bei Tokio auf ihren Abflug warten.Großansicht

Narita/Tokio (dpa) - «Ich will nur noch raus», sagt ein junger Franzose mit Reiseführer unterm Arm. Vor einer Stunde ist Yann Giugiale zum Narita-Flughafen bei Tokio gekommen. Der 22-Jährige wollte eigentlich ein Jahr als Austauschstudent in Japan leben. Und dann bebte die Erde.

Verstörte Ausländer wie er sind dort am Sonntagabend einige zu treffen. Hannah Dean aus New York sitzt in pinkfarbener Jogginghose auf einem der grauen Sessel. «Ich bleibe hier sitzen, laufe zwischendrin ein bisschen rum - bis Mittwoch, dann geht mein Flug.» Jetzt am Abend sei es am Flughafen schon wieder viel ruhiger. «Heute waren hier Massen von Menschen. Es war völlig überfüllt», sagt sie. «Aber niemand verhielt sich sehr aufgeregt.»

Die Deutsche Schule Tokyo Yokohama lässt den Unterricht für eine Woche ausfallen: «Wir geben damit allen betroffenen Kindern und deren Eltern die Möglichkeit, vorübergehend das Land zu verlassen, ohne noch unter dem zusätzlichen Druck zu stehen, Unterrichtsstoff zu versäumen», teilte ihr Krisenstab mit. Wie aus deutschen Kreisen in Japan zu hören ist, haben bereits «jede Menge» in Japan lebende Bundesbürger das Land verlassen oder sind weiter in den Westen oder Süden der Insel - fernab der defekten Atomkraftwerke - gereist.

Die 66 Jahre alte Hannah Dean hat schon eine Woche Urlaub in Japan hinter sich, wollte es langsam angehen lassen, wegen ihrer Rückenprobleme. Ihr Rückflug war gebucht für Juni. Doch die Beben haben sie umgestimmt. Die Zwischenfälle in den Kernkraftwerken machen ihr weniger zu schaffen. Vielleicht ist die Sache zu überwältigend. «Wenn man sich nicht kontrolliert und sich nur sorgt und sorgt, greift das die Gesundheit an», meint sie.

Die Familie Resetarits aus Österreich weiß noch nicht, wie sie wieder nach Hause kommt. Die 22-jährige Valentina Resetarits studiert in Tokio. Ihre Eltern und ihr Bruder waren zum Urlaub hier. Angst, dass hier bald alles zusammenbricht und verseucht wird, haben sie nicht. «Was uns nervös macht, ist, dass aus Europa die schlimmsten Nachrichten über Japan kommen. Dort glauben alle, hier geht die Welt unter», sagt die 56-jährige Marianne Resetarits. «Aber wenn man durch Tokio läuft, ist alles ruhig. Die Leute leben ihr Leben wie zuvor.» Und wem glaubt sie? «Ich denke, die Wahrheit ist ein Mittelding.»

Die 22 Jahre alte Saika Kiuchi ist deutlich nervöser. Sie trägt eine Papiermaske vor dem Gesicht. «Vorsichtshalber. Ich habe gehört, dass in Chiba eine Fabrik explodiert ist.» Sie kommt aus Kanada und will zu ihrer Familie in Nagano in Nordjapan. Morgen wird sie versuchen, einen Schnellzug zu bekommen. «Ich mache mir große Sorgen», sagt die junge Frau. Für einen kurzen Moment habe sie überlegt, in Kanada zu bleiben. «Aber ich hatte das Rückflugticket schon und der Flug ging auch, also bin ich hergekommen.»

Nur für die Mitarbeiter am Flughafen scheint die Welt nicht Kopf zu stehen. Sie betreuen lächelnd ihre Kunden, leihen spontan Stifte aus, halten hinter dem Schalter ein Schwätzchen. Eine zierliche Japanerin mit Halstuch und dunkelblauer Uniform geleitet verwirrte Reisende durch eine der Abflughallen. Zum Schalter von Emirates? «Mit dem Aufzug ein Stockwerk tiefer und dann den kostenfreien Bus zum anderen Terminal.» Jetzt ist es schon neun und der Flug geht um elf. «Wenn Sie jetzt sofort im Internet buchen, dann schaffen Sie das sicher noch», sagt sie mit einem aufmunternden Lächeln.

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Deutsche Schule
Erdbeben / Atom / Japan
14.03.2011 · 01:34 Uhr
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