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Report: Der schwierige Einsatz der Retter

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Giglio (dpa) - Mit letzter Kraft läuft er den Kai entlang. «Ich bin kein Held, ich mache nur meinen Job», sagt er und verschwindet in einem wartenden Lieferwagen. Seinen Namen will er nicht nennen.

Der Mann, ein Mitglied der italienischen Feuerwehr, ist gerade von einer zermürbenden Schicht am Wrack der «Costa Concordia» zurückgekehrt - bestimmt von der Suche nach Leichen, der Hoffnung auf Überlebende. In der Morgendämmerung zeichnen sich die riesigen Konturen des gekenterten Kreuzfahrtschiffes deutlich ab. Leckgeschlagen und auf die Seite gekippt liegt es einige hundert Meter vor der Insel Giglio.

Vor dem Lieferwagen stehen Rettungshunde und ihre Trainer im Nieselregen, sie warten und zittern in der Kälte. Die Hunde zeugen von einem gescheiterten Rettungsversuch. Eigentlich sollten sie in den Teilen des Schiffes, die noch über Wasser stehen, nach Überlebenden suchen.

«Die Hunde konnten ihr Gleichgewicht nicht halten. Sie rutschten und schlitterten und es war unmöglich, sie zu kontrollieren», erklärt der Sprecher der Feuerwehr, Luca Cari, der Nachrichtenagentur dpa. «Also haben wir die Idee aufgegeben.»

Nach einer nächtlichen Unterbrechung gingen die Rettungsarbeiten am Tag weiter. Sie werden aber immer «schwieriger und gefährlicher», sagt Cari. «Möbel und andere schwere Trümmerstücke drücken sich gegen die Wände, die jetzt zum Boden des Schiffes geworden sind.» Sie drohten über den Helfern einzubrechen.

Am frühen Morgen fanden Retter das sechste Todesopfer im zweiten Deck des gekenterten Schiffes - es trug eine orangene Schwimmweste. Die Arbeit der Helfer ist noch lange nicht beendet. Viele Teile des 290 Meter langen Schiffes mit seinen 1500 Kabinen, 5 Restaurants und 13 Bars müssen noch durchsucht werden.

Zeitweise erschwert das schlechte Wetter die Arbeit. Im Wasser stört der starke Seegang die Boote der Helfer. Am Himmel kämpfen die Helikopter mit heftigen Winden, während sie die Helfer mit Ausrüstung versorgen.

Obwohl die Passagiere, die das Unglück überlebt haben, die Insel Giglio bereits verlassen haben, herrschen noch immer Unruhe und Unbehagen an diesem eigentlich stillen, malerischen Ort.

Carmine Provenzano, der Touristen zwischen dem Hafen und dem mittelalterlichen Ort Giglio Castello regelmäßig hin- und herfährt, hatte schon längst Schluss, als er Freitags gegen Mitternacht eilig zurück zur Arbeit gerufen wurde.

«Ihnen war kalt, sie waren nass», erinnert sich Provenzano an die Geretteten, die er in vorübergehende Unterkünfte brachte. Die Inselbewohner hatten in der Unglücksnacht ihre Häuser, Kirchen und Bars für die Schiffspassagiere geöffnet.

«Touristen sind unser Leben», sagte Provenzano. Er sorgt sich um die Zukunft der Insel und ihrer 600 Bewohner. Damit ist er nicht allein: «Die Menschen haben natürlich Angst, dass die tausende Tonnen Diesel aus den Kraftstofftanks der "Costa Concordia" auslaufen», sagte Giglios Bürgermeister Sergio Ortelli. Ihm sei jedoch zugesichert worden, dass es theoretisch kein Risiko gebe. «Wir möchten unseren Besuchern versichern, auch unseren deutschen Freunden, dass die Insel sie weiterhin mit ihrer Schönheit und ihrem Charme willkommen heißt.»

In Rom schlug Italiens Umweltminister Corrado Clini vorsichtigere Töne an: «Im Augenblick gibt es keine Lecks», sagte er dem Sender RAI. «Wir halten den Atem an.»

Korr-Ausland / Schifffahrt / Unfälle / Italien
16.01.2012 · 22:02 Uhr
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