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Report: Der Hamburger Großmarkt leidet

Gemüsehändler Jens Kupka auf dem Großmarkt Hamburg mit unverkauften Gurken aus regionalem Anbau.Großansicht

Hamburg (dpa) - Ratlos steht Hans Joachim Conrad in den Hallen des Hamburger Großmarktes und zuckt mit den Schultern. «Wir treiben hier keine Kuhherden durch die Hallen», sagt der Vorsitzende der Großmarkt- Genossenschaft und deutet auf Hunderte Gurkenkisten, die abseits der Stände stehen.

Seitdem am Donnerstag das Hamburger Hygiene-Institut nachgewiesen hat, dass hier Gurken, die mit EHEC-Keimen verunreinigt waren, gehandelt worden sind, steht sein Handy nicht mehr still.

Dieser Keim, spanische Gurken und die Folgen sind am Freitagmorgen das beherrschende Thema im Großmarkt in der Nähe des Hamburger Hafens. Einer der spanischen Landwirte, von denen mit EHEC-Bakterien verunreinigte Salatgurken stammen sollen, hatte die Vermutung geäußert, seine Gurken seien beim Sturz einer Palette während des Transports zum Hamburger Großmarkt verunreinigt worden.

Wie sich der Keim in diese großen Hallen verirrt haben soll, kann sich im Hamburger Großmarkt aber keiner erklären. Die Saison für Gurken aus Spanien ist eigentlich vorbei, sagen Händler wie Jens Kupka. Zuletzt habe er das längliche Gemüse Anfang März verkauft. Warum solle er ausgerechnet jetzt spanische Gurken bestellen, wenn die deutschen längst reif seien?

An einer Ecke an seinem Stand stapeln sich die vermeintlichen Übeltäter in die Höhe. Winsen an der Luhe steht auf den Kisten. Frisch und knackig sehen die Gurken aus, und spottbillig sind sie. Trotzdem wird Kupka jetzt auf ihnen sitzenbleiben. Wie lange es dauert, bis das Vertrauen der Verbraucher wieder hergestellt ist? Er weiß es nicht. Für die rund fünfzig Kisten Gurken ist aber ohnehin fast alles zu spät. Eine Woche, höchstens zwei, halten sie noch durch. Danach landen sie auf dem Müll.

Bei den Bauern verwelke derweil der Salat auf den Äckern, berichtet Kupka. «Für uns alle ist das sehr schädlich.» Die Verunsicherung der Kunden sei so groß, dass sie die Finger von allem ließen, was eigentlich frisch und gesund ist. Seine Kunden hätten nicht nur Salate und Tomaten für die kommenden Tage abbestellt, sondern auch Obst.

Der Anblick der unverkäuflichen Gurken macht ihn nachdenklich. Dann sagt er: «Eine dieser Gurken hier kostet 29 Cent. Es gibt genug Ware aus Deutschland. Warum muss man jetzt noch Waren aus Südspanien herfahren?» Es bleibt unausgesprochen, an wen sich seine Kritik richtet - offensichtlich an die großen Discounter und Supermärkte. «Die Preistreiberei geht letztlich auf die Gesundheit der Verbraucher», glaubt er.

Großmarkthändlerin Eva-Maria Wedemann sieht große Probleme auf sich zukommen. Mit spanischen Gurken hat sie zuletzt im Februar gehandelt. «Wenn das so weitergeht, muss unser Eisbergsalat eingefräst werden», befürchtet sie. Seit mehr als vier Jahrzehnten steht sie auf diesem Markt, hat sich mittlerweile auf biologischen Anbau spezialisiert. Aber was hilft das? Die Leute kaufen trotzdem weniger. Große Einbußen hat sie in dieser Woche bilanziert, fast ein Drittel weniger verkauft.

Ein paar Meter weiter stimmt auch Gemüseproduzent Heiner Wischendorff ein in den Chor der Empörten. Das Wort «Panikmache» fällt. «Alle paar Monate wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben», sagt er. Jetzt sei halt das Gemüse an der Reihe.

Dem Großhandelsvorsitzenden Conrad ist die Anspannung der vergangenen Stunden ins Gesicht geschrieben. Dass sein Markt europaweit in den Schlagzeilen steht, ist ihm unangenehm. Etwas verkrampft durchschreitet er die Hallen und unterhält sich mit den Händlern. Generell sei die Gefahr der Kontamination von Lebensmitteln dann am größten, wenn viele Verbraucher damit in Kontakt kommen. Das sei vor allem im Laden der Fall. Die Fahrer und Händler würden die Ware nur selten anfassen. Hamburg sei nur das Verteillager. «Natürlich fällt hier mal was um. Aber das ist wie wenn in China ein Sack Reis umfällt.»

Am Freitagvormittag erhält Conrad Schützenhilfe von oberster Behördenstelle. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) teilt mit, dass die belasteten Gurken nicht von einer einzigen Palette stammen könnten, die durch ein Umkippen verseucht wurde. Die genaue Ursache der EHEC-Epedemie ist weiterhin ungeklärt. Für Conrad heißt das: «Das Image ist beschädigt. Das ist katastrophal.»

Gesundheit / Infektionen
27.05.2011 · 22:35 Uhr
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