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Report: Demo in Gorleben - laut und bunt

Schwarz-Gelb: Atomkraftgegner protestieren in Dannenberg gegen den Castor-Transport.Großansicht

Gregor Gysi kam mit dem Trecker, Bela B von den «Ärzten» und Charlotte Roche waren auch da: Zusammen mit mindestens 20 000 weiteren Menschen haben sie im Wendland gegen die Atompolitik der Regierung demonstriert.

Dannenberg (dpa) - Der Widerstand gegen die Atompolitik der Bundesregierung hat viele Gesichter. Nie zuvor sind so viele Menschen aus allen Teilen Deutschlands ins beschauliche Wendland gereist wie an diesem Samstag. Junge und Alte, Normalos und Prominente wie Gregor Gysi und Charlotte Roche, sie alle demonstrieren Seite an Seite gegen den Castor-Transport. Insgesamt zählten die Veranstalter bis zum Nachmittag 50 000 Demonstranten, die Polizei dagegen nur etwas mehr als 20 000. Der Protest blieb zunächst weitestgehend friedlich. Am Rande lieferten sich Autonome erste Scharmützel mit der Polizei.

Auch ganz normale Menschen wie Rose Scharnowski aus Hamburg sind gekommen, um gegen den Castor zu protestieren. Für viele ist es die erste Demo ihres Lebens. «Ich bin sonst nicht so der Typ, um auf die Straße zu gehen», sagt die 38-Jährige. Die Atompolitik der schwarz- gelben Regierung macht sie jedoch wütend. Die Entscheidungen würden längst ohne die Beteiligung der Bevölkerung gefällt, sagt sie. «Mir reicht es.»

So wie der Hamburgerin geht es an diesem Samstag vielen Demonstranten auf dem Acker in der Nähe von Dannenberg, während der Castor Richtung Wendland rollt. An der Hauptkundgebung nehmen auch die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir teil. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi Gregor fährt mit dem Trecker vor.

Über den Köpfen der Demonstranten auf dem Acker wogt ein Meer von Fahnen, auf denen «Atomkraft - nein Danke» steht. Die Stimmung ist trotz des konfliktträchtigen Anlasses gut. Laute Musik schallt über die Fläche, Menschen tanzen, Kinder spielen auf dem Boden. Auf dem hinteren Teil des Ackers verteilen Atomgegner mit Masken von Angela Merkel und Guido Westerwelle Bananen mit dem Spruch «Das hier ist eine Bananenrepublik».

Auf der Bühne steht der Chef von Greenpeace International, Kumi Naidoo. Atommüll sei unmoralisch, unklug und gefährlich, ruft der Südafrikaner auf Deutsch in die Runde. Beifall brandet auf. Trillerpfeifen, Trommeln und Megaphone lärmen. Langsam reißt die schwere Wolkendecke auf, die Sonne beginnt zu strahlen.

«Seit fünfzig Jahren produzieren wir diesen Müll, ohne zu wissen, wo wir ihn entsorgen können», sagt die Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Kerstin Rudek. All die Jahre seien die Deutschen belogen und betrogen worden. «Wir fordern die Abschaltung aller Atomanlagen in Deutschland.»

Die Menge nimmt ihre Worte auf. «Abschalten, abschalten», schallt minutenlang über den Acker. In Sichtweite der Kundgebung befindet sich der Umladebahnhof in Dannenberg, wo die Atommüll-Behälter frühestens an diesem Sonntag für die letzten Kilometer nach Gorleben auf Schwertransporter verladen werden.

Hinter der Kundgebungsbühne auf dem Acker, nicht weit von Rose Scharnowski entfernt, steht der Sänger der Gruppe «Die Ärzte», Bela B. Er wartet auf seinen Auftritt. «Es gibt in diesem Land nur noch eine Minderheit, die Atomstrom will», sagt er. «Ich will mit dabei sein, wenn ein Zeichen gegen die Atompolitik gesetzt wird.» Auch die Moderatorin Charlotte Roche ist ins Wendland gekommen, um gegen den Castor zu protestieren. «Ich hoffe, dass viele Leute am Montag nicht zur Arbeit gehen und den Zug stoppen», wünscht sie sich.

Atom / Transporte / Gorleben
06.11.2010 · 22:26 Uhr
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