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Report: Das zerbrechliche Leben von Jessica Ghawi

New York (dpa) - Mit gerade einmal 24 hatte Jessica Ghawi den Tod gesehen. «Mir wurde gezeigt (...), wie zerbrechlich das Leben ist», schrieb die Journalistin in ihrem Blog, nachdem sie im Juni einer tödlichen Schießerei im kanadischen Toronto entgangen war.

Sieben Wochen später, 4000 Kilometer entfernt im beschaulichen Colorado, ging sie mit einem Freund in ein Kino, um den neuen «Batman»-Film zu sehen. Hier begegnete sie dem gleichaltrigen James Holmes, der in dem Kino ein Blutbad anrichtete. Jessica starb.

«Ich sah die Opfer eines sinnlosen Verbrechens», schrieb die junge Frau nach der Schießerei in Toronto. Jessica hatte sich etwas zu essen gekauft, sich wegen des schönen Wetters nach draußen gesetzt. Das rettete ihr vielleicht das Leben. Sieben Menschen wurden Minuten später bei einer Schießerei verletzt, ein Mann starb. «Ich wurde daran erinnert, dass wir nicht wissen, wann und wo unser Leben auf der Erde enden wird. Wann oder wo wir unseren letzten Atemzug tun werden. Für einen Mann war es inmitten einer vollen Imbisshalle an einem Samstagnachmittag.»

«Sie war sehr berührt, als sie sah, wie die Opfer rausgebracht wurden», sagte Jessicas Mutter Sandy Phillips dem US-Sender ABC. «Sie merkte, dass viele Opfer in ihrem Alter waren und dass das Leben etwas sehr Zerbrechliches ist. Es war wie eine Offenbahrung für sie, dass uns so etwas überall und zu jeder Zeit passieren kann.» Allerdings sei die junge Frau, die von ihrer Mutter als «Energiebündel» beschrieben wird, nicht schwermütig geworden, im Gegenteil. «Statt Angst zu bekommen hat sie das Leben nur umso mehr ergriffen.»

Jessica Ghawi galt als talentierte junge Sportreporterin. Gerade war sie für einen neuen Job von Texas nach Colorado gezogen. Die Premiere von «The Dark Knight Rises» sollte etwas Abwechslung bringen. «Natürlich sehen wir den Film heute Abend», twitterte sie vor der Premiere. Als ein Freund, der Sportreporter Jesse Spector schrieb, er gehe nicht, antwortete sie bloß per Twitter mit einem fröhlichen «Loser!», «Verlierer!».

Was dann geschah, beschreibt ihr Bruder in seinem Blog, nachdem er mit Brent, einem Freund Jessicas gesprochen hatte, der bei der Schießerei verletzt wurde: «Etwas wurde in den Kinosaal geworfen, was ein zischendes Geräusch machte. Der Raum füllte sich mit Rauch und die Leute standen auf. In dem Moment fielen Schüsse.» Jessica wurde offenbar am Bein verletzt und schrie. Die junge Frau sagte noch, jemand solle den Notruf wählen. Brent verarztete die Wunde und wurde dann selbst getroffen.

«Während er noch Erste Hilfe gab, bemerkte er, dass Jessica nicht mehr schrie. Er sah sie an und sah so etwas wie eine Eintrittswunde am Kopf. Er sagte, dass er ihre letzten Atemzüge gesehen habe.» Brent sei dann geflohen. «Was er getan hat, war einfach heldenhaft.» Von Jessica bleiben ihr Blog und ihr Twitter-Konto. Ihr letzter Eintrag kam aus dem Kino: «Film fängt 20 Minuten später an.»

Kriminalität / USA
22.07.2012 · 09:27 Uhr
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