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Report: Dankeshymnen und ein Erinnerungskatalog

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer verkündete bei seinem Besuch in Nürnberg die Rettung von Quelle.Großansicht
Nürnberg (dpa) - Wenn Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) dereinst aus dem Berufsleben scheidet, kann er sich zumindest einer Fangemeinde sicher sein: Der Chefetage des Versandhauses Quelle.

«Wir werden ihn schon jetzt den Seehofer-Erinnerungskatalog nennen», sagte Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers am Donnerstag und hob mit stolzer Miene den neuen Herbst-Winter-Katalog hoch. «Er wird in die Geschichte der Quelle eingehen als ein Kult-Katalog.» Obwohl zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch gar nicht klar war, ob das insolvente Traditionshaus gerettet wird, sah beim Besuch Seehofers am Standort Nürnberg alles danach aus.

Gut eineinhalb Stunden nahm sich Seehofer für das gebeutelte Fürther Unternehmen und versicherte den Mitarbeitern immer wieder, dass alles gut werde. Dank dafür gab es reichlich - zahllose Varianten des Wortes «Danke» waren zu hören.

«Wir sind vor allem Ministerpräsident Horst Seehofer zu großem Dank verpflichtet, dass sich jemand den politischen Hut aufgesetzt hat, um eine Lösung für Quelle hinzubekommen», lobte Hilbers. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bot Seehofer eine Dankes-Geste an: «Wir werden den Katalog gleich signieren.» Und auch Seehofer selbst stimmte mit ein: «Ich bin da allen dankbar. Es war bisher auch eine sehr gute, parteiübergreifende Arbeitsweise.»

Der bayerische Landtag hatte bereits seine Unterstützung für Quelle zugesagt, 21 Millionen Euro Kredit sollte es geben, 4 Millionen Euro kommen aus Sachsen. Am Donnerstag wartete jeder auf die Zusage des Bundes, der die zweite Hälfte des Massekredits über 50 Millionen Euro zahlen sollte. Während Berlin immer noch schwieg, hinterließ Seehofer schon fast den Eindruck, alles sei in Butter.

«Herr Seehofer macht ja auch Wahlkampf. Wenn er das hier nicht dafür nutzen würde, wäre er ehrlich gesagt dumm», kommentierte ein Quelle-Mitarbeiter Seehofers Ansprache vor rund 500 Kollegen. «Wenn man ihn hört, denkt man, wir werden in jedem Fall gerettet. Ich bin da noch skeptisch», sagte ein anderer. Ihre Namen wollten die beiden nicht nennen. Eine Mitarbeiterin brach aber auch eine Lanze für Seehofer: «Ich bin genauso zuversichtlich wie er. Angst hat natürlich jeder in dieser Situation, aber wenn jeder sich dahinter versteckt, kommen wir nicht weiter.»

Möglicherweise überzeugte die Skeptiker Seehofers weiche Seite. «Ich habe oft an sie denken müssen, glauben sie mir das», versicherte der Ministerpräsident. «Ich komme selbst aus einer Familie, Bauarbeiter, kinderreich, und weiß, was es bedeutet, wenn es auch um die eigene wirtschaftliche Existenz geht. Verlassen sie sich darauf: Wir stehen zusammen, wir tun das Menschenmögliche.»

Handel / Arcandor / Quelle
25.06.2009 · 16:19 Uhr
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