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Report: Bin Laden - Vom Märtyrer zur alternden Diva

Noch bis vor kurzem schürte er Terror und Furcht: US-Medien ließen Osama Bin Laden jetzt zu einem alten Mann in einer Wolldecke schrumpfen. Beschlagnahmte Videos werden zur Kriegs-Trophäe.Großansicht

Washington (dpa) - Fotos des toten Osama Bin Laden zeigt er nicht. Statt dessen schickte US-Präsident Barack Obama den Terrorchef am Samstag noch einmal lebendig über die Bildschirme - und erreichte damit vor allem eins: Die Galionsfigur des Terrors ist entmystifiziert.

Osama Bin Laden hat den Amerikanern ihre Trophäe selbst geliefert. «Das Bild, das sich den Menschen eingräbt, wird das eines alten, einsamen Mannes sein», so eine Kommentatorin im Fernsehsender CNN.

Da sitzt er. Alt, grau und gebeugt. Fast bemitleidenswert. Um die Schultern eine Decke, eine Wollmütze krönt das schmale Gesicht. In einem schäbigen Raum mit nackten Wänden und herabhängenden Kabeln. Der alte Mann und sein Fernseher. Die Fernbedienung legt er nicht mehr aus der Hand. Sie ist seine Verbindung zur Welt. Doch darin betrachtet er am liebsten nur sich selbst. «Wie ein alternder Schauspieler, der von seinem Comeback träumt» schrieb die «New York Times». Und drückte aus, worin sich die US-Medien am Sonntag einig waren: Mit dem Griff in die Trickkiste hat die Obama-Regierung nicht nur den Triumph ihrer Geheimdienste gefeiert. Sie hat Bin Ladens Bild für die Nachwelt gestürzt. Der Al-Kaida-Chef sollte darin nicht als mächtiger Märtyrer eingehen, «sondern als Medienfigur, die sich selber kreiert hat», so die Internetzeitung «politico.com».

Bilder sagen mehr als Worte - das haben die tonlosen Dokumente in ihrer Unterschiedlichkeit erneut bewiesen: Bin Laden in seiner Freizeit und Bin Laden als Anchorman grausamer Videobotschaften. Ein Unterschied wie Tag und Nacht, der auch dem Terrorchef nicht verborgen geblieben zu sein scheint. «Er hat sich neidisch selbst betrachtet», kommentierte «politico.com».

Landesweit flimmerten am Sonntag die Bilder des alten Mannes über die Schirme, den viele bemitleidet hätten, wäre sein Name nicht Osama Bin Laden gewesen. «Mir fiel sofort das Bild von Saddam Hussein in seinem Erdloch ein», so eine Studentin in einer Washingtoner Bar, wo die Aufnahmen den ganzen Samstagabend lang flimmerten. Und ein Blogger auf der Webseite von CNN schrieb: «Wer auch immer die Idee hatte, diese Videos anstatt Osamas Leiche zu zeigen - er hat eine Gehaltserhöhung verdient.»

Viele sind sich einig: Präsident Obama hat diese Trophäe aus dem Krieg gegen den Terror geschickt eingesetzt. Ohne lauten Jubel sicherte er sich Applaus. Rechtzeitig zum Wahlkampfauftakt läuft die Propagandamaschine auf Hochtouren. Die durch Wirtschaftskrise und Wahlschlappe angeschlagene Regierung hat die Woche eins nach Osama Bin Laden nach allen Regeln der Kunst ausgekostet. Die «Washington Post» griff das am Wochenende in einer Karikatur auf. Darin entrollt Obama einen Steckbrief von Osama Bin Laden, mit dem Vermerk: Verstorben. «Meine Wieder-Geburtsurkunde», kommentiert der Präsident.

Terrorismus / USA
08.05.2011 · 22:09 Uhr
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