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Report: Betretenes Schweigen an der Bayreuther Uni

Außenansicht der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität in Bayreuth.Großansicht

Bayreuth (dpa) - Offen wollen sich weder Leitung noch Studenten der Uni Bayreuth zu den Vorwürfen gegen Guttenberg äußern. Alle warten die Prüfung und die Entscheidung der Kommission ab, und das wird Wochen dauern.

Auf den Fluren der Rechtswissenschaftlichen Fakultät ist die Plagiatsaffäre das Topthema. Doch mit öffentlichen Kommentaren zu Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg halten sich Leitung und Studenten der Universität zurück. Uni-Sprecher Frank Schmälzle wiederholt immer wieder denselben Satz: «Wir konzentrieren uns auf das Verfahren, das die Kommission mit aller Ordentlichkeit, Ruhe und Professionalität durchführen wird.»

Eine Entscheidung über die mögliche Aberkennung des Doktortitels wird erst in einigen Wochen erwartet. Daran ändern auch die Entschuldigung und der vorübergehende Verzicht Guttenbergs auf seinen akademischen Titel nichts.

Wortkarg geben sich auch die Studenten. «Ich habe keine Lust, irgendetwas zu sagen zu dem Fall», sagt ein einer, steht auf und geht. Zwei Kommilitoninnen lehnen ebenfalls eine Antwort ab auf die Frage, was sie von den Vorwürfen halten. «Nein», schütteln sie mit dem Kopf. «Das sollen die unter sich ausmachen.»

Etwas deutlicher äußert sich eine BWL-Studentin aus Baden-Württemberg: «Das sind harte Vorwürfe: Ich halte es für unrealistisch, dass das aus Versehen passiert ist», sagt die 22-Jährige. Ansonsten beschäftige sie sich nicht weiter mit dem Vorwurf, Guttenberg habe an mehreren Stellen seiner 475 Seiten starken juristischen Doktorarbeit an der Universität Bayreuth fremde Textpassagen ohne Quellenangabe verwendet.

An der Universität sprechen viele von einem Medienhype. Auch Guttenbergs Parteibasis kann die Aufregung nicht verstehen. «Unser Karl-Theodor», sprechen sie liebe- und respektvoll von ihrem Hoffnungsträger. Für die CSU-Mitglieder in der Region stellen die Vorwürfe nichts anderes als eine Hetzkampagne gegen den derzeit beliebtesten deutschen Politiker dar.

Guttenberg hatte von 1992 bis 1999 in Bayreuth studiert und dort 2007 mit der Bestnote summa cum laude promoviert. Politische oder finanzielle Einflussnahmen der Hochschule auf die Bewertung der Doktorarbeit weist Uni-Sprecher Schmälzle zurück. «Er unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von anderen ehemaligen Studenten.» Immerhin ist Guttenberg einer der regionalen Abgeordneten, der als Alumni an Ehemaligentreffen teilnimmt und noch als Wirtschaftsminister auf dem Ökonomie-Kongress der Universität gesprochen hat.

Die Frage nach einem möglichen Imageschaden der Affäre für die Hochschule bleibt vorerst unbeantwortet. Auch wenn der Minister in einem Werbespot überzeugend für die Uni Bayreuth wirbt: «Sie stehen vor zwei Entscheidungen», wendet er sich an die Schulabgänger. «Die erste: Was soll ich studieren? - Jura: Es lohnt sich. Und die zweite: Wo? Fraglos nur an einem Ort: Bayreuth.»

Verteidigung / Wissenschaft / Guttenberg
19.02.2011 · 22:12 Uhr
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