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Report: Ausnahmezustand in Duisburg

Wut und Trauer in DuisburgGroßansicht

Duisburg (dpa) - Die Tür des Sitzungssaales lässt Oberbürgermeister Adolf Sauerland am Freitagvormittag von innen abschließen. Unbekannte Gäste dürfen im Rathaus längst nicht mehr selbst zu den Zimmern gehen, sondern werden begleitet.

Auf der Straße sind seit Tagen keine Politessen zu sehen, weil die wütenden Duisburger sie anpöbeln und bedrohen. Im Callcenter der Stadt weinen Mitarbeiter offen, weil sie reihenweise Schmähungen ertragen müssen.

Die Katastrophe der Loveparade, für die Verwaltungschef Sauerland verantwortlich gemacht wird, und seine Weigerung, Konsequenzen zu ziehen, hat in der Industriestadt Duisburg für einen Ausnahmezustand gesorgt. «Das ist Agonie hier», sagt ein Rathaus-Mitarbeiter, der nicht zitiert werden will. Die Pressestelle der Stadt will sich zu den Schilderungen überhaupt nicht äußern.

Der noch vor einer Woche überaus beliebte CDU-Oberbürgermeister Sauerland - als Kumpeltyp mit Motorroller stadtbekannt - hat nach den ersten Erkenntnissen die Loveparade trotz Bedenken einiger Fachleute hemdsärmlig durchgedrückt. Dass nicht er, sondern Verwaltungsbeamte am Ende die Genehmigung unterschrieben haben, überzeugt niemanden. Entscheidend ist doch der Wille der politischen Führung. «Schließlich wolle der OB die Veranstaltung», heißt es in einem seit Tagen über das Internet lancierten Vermerk, an dessen Ende Stadtbaurat Jürgen Dressler jede Verantwortung für die Raverparty ablehnt.

Sogar die eigenen CDU-Leute drängen Sauerland inzwischen kaum verhohlen zum Rückzug. Er trage nun mal die politische Verantwortung und hafte damit auch für Fehler seiner Mitarbeiter, sagte der Bundestags-Innenausschuss-Vorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) dem ZDF. Er hoffe, dass Sauerland eine gute Entscheidung fälle. Noch direkter kann man das in der Politik unter Parteifreunden nicht formulieren.

Was es Sauerland finanziell kosten würde, das Handtuch zu werfen - darüber gibt es unterschiedliche Auskünfte. In jedem Fall wären die Folgen spürbar. Insofern könnte die von der Duisburger Links-Partei mit FDP-Unterstützung gestartete Initiative zu seiner Abwahl dem Oberbürgermeister sogar helfen: Wird er abgewählt, bekommt Sauerland die Pension von mindestens 35 Prozent seiner B10-Bezüge (10 709 Euro). Am Montag - nach der Trauerfeier - wollen sich die Ratsfraktionen austauschen. Die FDP hält eine Abwahl trotz der hohen Hürde einer Zwei-Drittel-Mehrheit für gut möglich.

Schließlich können sich viele Mitarbeiter im Rathaus eine Weiterarbeit mit ihrem Dienstherrn realistisch kaum noch vorstellen. Auch wenn der Veranstalter und die Polizei an der Tragödie mit schuld sein sollten - Sauerlands Reputation ist dahin. Wenn am Samstag bei der Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche Bundespräsident, Bundeskanzlerin, Bundestagspräsident und Ministerpräsidentin vorfahren, wird der OB der betroffenen Stadt fehlen - um die Trauernden nicht zu provozieren.

Notfälle / Loveparade
31.07.2010 · 21:21 Uhr
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