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Report: Auf Wochenmärkten bleibt das Gemüse liegen

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Hamburg (dpa) - Seit mehreren Tagen grassiert der gefährliche Darmkeim EHEC. Rohe Gurken, Tomaten und Salat sollten gemieden werden, sagen Behörden. Auch auf einem Hamburger Wochenmarkt lassen die Kunden das Gemüse liegen.

«Unsere Kunden sind verunsichert, es kommen viele Fragen nach der Herkunft der Produkte», sagt Gemüsehändler Wilfried Thal am Donnerstagmorgen auf dem Wochenmarkt am Turmweg in Hamburg-Rotherbaum. Seit einigen Tagen grassiert der gefährliche Darmkeim EHEC. Wie sich die Menschen angesteckt haben, ist noch nicht hundertprozentig klar, auch wenn die Hamburger Behörden als EHEC-Träger spanische Gurken ausgemacht haben. Gerade hat eine Kundin Salat, den sie sonst regelmäßig kauft, doch liegen lassen. Sie ist skeptisch. Am Vorabend hatte das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) Verbrauchern empfohlen, vorsorglich auf den Verzehr von rohen Tomaten, Salatgurken und Blattsalaten in Norddeutschland zu verzichten.

«Das Problem ist, dass die Kunden nun pauschalisieren», sagt Thal. Denn auch bei anderen Gemüse- und Obstsorten seien sie verunsichert. Trotz der Warnungen haben die Händler auf dem Markt weiterhin alle drei Waren im Angebot. Bei Thal stammen Gurken und Salat aus dem Hamburger Anbaugebiet Vierlanden, er baut selbst an. Tomaten hat er anderweitig eingekauft, Ursprungsland ist Italien. Einige Stände weiter arbeitet Gemüsehändlerin Bettina aus Vierlanden, die ihren vollen Namen nicht nennen will. Sie verkauft an diesem Tag belgische statt deutscher Salatgurken. «Wenn die Ursprungsquelle nicht bald gefunden wird, ist das der Dolchstoß für uns», sagt die Gemüsehändlerin noch bevor das Hamburger Hygiene-Institut spanische Gurken als EHEC-Träger identifiziert hat. Sie fürchtet, dass Ihr Umsatz auf ein Viertel zurückgeht.

Eine Tagesmutter schlendert mit einem 17 Monate alten Mädchen über den Markt. «Ich selbst bin Rohköstlerin, und esse alles wie zuvor, aber die Kleine bekommt keine Rohkost mehr, die Eltern wollen das nicht.» Ein Rentner hat Möhren und Lauch in der Einkaufstasche. «Wir achten jetzt einfach viel mehr auf Hygiene als vorher», auch die Möhren wolle er gründlicher waschen als sonst.

Im Supermarkt ein paar Straßen weiter liegen an der Salatbar Gurkenstifte, Tomatenscheiben und Salatblätter offen in den Schalen. «Seit einigen Tagen fragen die Kunden nach», sagt Marktleiter Björn Luhmann. In der Hand hält er den Prüfbericht eines Labors, das beispielsweise Ruccola und Feldsalat auf EHEC getestet hat. Er hat Anweisung, Aufklärungszettel für die Kunden aufzuhängen. Achim Meier, Betreiber eines Bistros, schiebt seinen Wagen durch die Gänge. «Wir haben Salat, Gurken und Tomaten weggeschmissen.»

Der Gemüseanbauer Thomas Sannmann aus den Vier- und Marschlanden berichtet in einem Telefonat über Umsatzeinbrüche bei den Geschäften mit Großhändlern. Hier sei die Nachfrage vor allem bei Gurken, Tomaten und Salat nahezu zum Erliegen gekommen. Die Endverbraucher in der ganzen Stadt, die von ihm mit sogenannten Gemüseabos beliefert werden, hätten hingegen Vertrauen in sein Unternehmen. Die Gärtnerei Sannmann arbeitet nach biologisch-dynamischen Prinzipien. Rund 2300 Kunden im Raum Hamburg bekommen regelmäßig eine Gemüsekiste. Nur «zwei Handvoll» Kunden hätten bislang die Abos ausgesetzt.

Die Nachricht, dass der EHEC-Erreger auf Gurken aus Spanien gefunden wurde, kommt zu spät für diesen Markttag am Turmweg. «Die Nachricht rettet uns für heute nicht, doch ich bin schon sehr erleichtert», sagt Gemüsehändlerin Bettina.

Gesundheit / Infektionen
26.05.2011 · 22:39 Uhr
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