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Report: Asche statt Hummer - harte Zeiten für Gourmets

Frankfurt/Main (dpa) - Die Folgen der Flugausfälle werden in den kommenden Tagen auch im Supermarkt zu spüren sein - zumindest die Gourmets dürften dann darben.

Bei Steaks aus Argentinien, Barsch aus dem Viktoria-See in Afrika oder Kräutern aus Israel kann es knapp werden, weil sie wegen der Wolke aus Vulkanasche nicht mehr nach Europa gebracht werden können.

Der Frankfurter Flughafen ist Deutschlands größter Umschlagplatz für frischen Fisch - größer als Hamburg und Bremerhaven zusammen, wie Lufthansa-Cargo-Sprecher Nils Haupt berichtet. Jedes Jahr werden rund 20 000 Tonnen Fisch umgeschlagen. Meist kommt er mit dem Flugzeug aus Asien, Afrika oder Südamerika und wird dann mit Hilfe von Lastwagen fast in ganz Europa verteilt.

Obst und Gemüse werden dagegen eher selten mit dem Flugzeug nach Deutschland geflogen. Die «Flug-Mango» oder die «Flug-Ananas» gehören zu den Ausnahmen. Das sehe in anderen Ländern aber anders aus, sagt Haupt. So sei Großbritannien wesentlich stärker abhängig vom Import von frischem Obst und Gemüse per Flugzeug.

Massive Probleme haben jetzt die Produzenten, die ihre Waren nicht mehr nach Europa bringen können. So befürchten Kenias Blumenfarmer bereits Millionenverluste. Allein am vergangenen Freitag lagerten in den Frachthallen des Flughafens von Nairobi mindestens 500 Tonnen Blumen im Wert von 1,5 Millionen Euro für den Abtransport, erklärte der kenianische Verband der Blumenindustrie.

Auch Flachbildschirme, Handys oder Spielekonsolen gehören zu den Waren, die in der Regel mit dem Flugzeug nach Deutschland kommen. «Ich fürchte aber nicht, dass es morgen keine Handys mehr gibt», sagt Cargo-Sprecher Haupt. Allerdings könnten Großhändler Schwierigkeiten haben, wenn ihnen der der Nachschub ausgeht.

Volkswirtschaftlich dramatischer dürften die Ausfälle ohnehin in der Industrie sein. Im Maschinenbau, in der Autoindustrie oder auch in der Schifffahrt sprechen Experten von der «Notfall-Logistik» per Flugzeug. Denn andauernd fehlt mal das eine oder andere Ersatzteil, und dann müssten ohne Nachschub ganze Produktionsbänder stillgelegt werden. Und gerade die exportlastige deutsche Wirtschaft ist oft auf den Flieger angewiesen.

Der Vulkanausbruch könnte der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung einen Dämpfer verpassen, erklärte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Die Luftverkehrsbranche habe durch den monatelang schwelenden Tarifkonflikt bei den Piloten ohnehin keinen guten Start in das neue Jahr gehabt, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der «Rheinpfalz am Sonntag».

Der Sprecher des Dax-Konzerns Bayer, Hans-Bernd Schmitz, sagte, aktuell gebe es keine Einschränkungen in den Produktionsabläufen. Vereinzelt säßen aber Geschäftsreisende in Hotels oder an Flughäfen fest und arbeiten von dort mit Laptops und Mobiltelefonen. Bei Volkswagen sagte ein Sprecher, man müsse erst den Wochenbeginn abwarten, um die Folgen der Luftraumsperrung beurteilen zu können.

Während im Passagierbereich am Frankfurter Flughafen am Sonntag teils Totenruhe herrschte, lief der Betrieb im Frachtzentrum weiter unter Hochdruck. Denn immer wieder mussten in den vergangenen Tagen Lastwagen entladen werden, ohne dass Flugzeuge mit den Waren abheben konnten. Die Mitarbeiter seien nicht nach Hause geschickt worden, sondern hätten die Paletten schon für den Abflug vorbereitet, sagt Haupt. Aber die Kapazitäten reichten nicht. «Unser Lager ist gerammelt voll.» Daher habe man einen Annahmestopp bis Montagabend verhängt.

[Flughafen Frankfurt]: FRA, Deutschland (Frischezentrum Frankfurt: www.pcf-frankfurt.de)

Luftverkehr / Vulkane / Island
18.04.2010 · 22:10 Uhr
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