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Report: «Arctic-Sea» gefunden - alle Fragen offen

Dmitri RogosinGroßansicht
Moskau (dpa) - Die dreiwöchige Irrfahrt des Frachters «Arctic Sea» mit 15 russischen Seeleuten an Bord hat ein glückliches Ende gefunden.

Russlands Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow überbrachte Kremlchef Dmitri Medwedew am Montag die gute Botschaft, die Männer seien vor dem afrikanischen Inselstaat Kap Verde befreit worden und gesund. Doch das Rätsel um eine angebliche Kaperung des 98 Meter langen Schiffs, das zuletzt von Russland und der NATO gemeinsam gesucht wurde, ist noch nicht gelüftet. Viele Fragen sind offen: Ob der angeblich mit Holz im Millionenwert beladene Frachter möglicherweise auch Waffen an Bord hatte? Ob Lösegeld bezahlt wurde? Warum seit Ende Juli jeder Funkkontakt zur «Arctic Sea» fehlte?

Für den russischen Präsidenten Medwedew kam die Rettungsnachricht nach einem Montag voller Katastrophenmeldungen wie gerufen. Am Morgen waren bei einem Selbstmordattentat im Nordkaukasus viele Menschen in den Tod gerissen worden, mehr als 130 wurden verletzt. In Sibirien gab es eine Havarie im größten Wasserkraftwerk mit mindestens 10 Toten - und 60 Vermissten.

Dass der Hochsee-Thriller um die «Arctic Sea» ein gutes Ende nehmen könnte - daran hatten zuletzt viele gezweifelt. Medwedew versprach volle Aufklärung des Mysteriums um den angeblich mit Holz beladenen Frachter und wies Serdjukow an, die Presse ausführlich zu informieren. Die auf das Küstenwachschiff «Ladny» der russischen Schwarzmeerflotte gebrachten Seeleute sollen rasch verhört werden. Nach Informationen der schwedischen Polizei soll der Kapitän des Schiffs Fotos von verletzten Besatzungsmitgliedern per elektronischer Post versandt haben. Dagegen hieß es in Moskau, die Seeleute seien gesund.

Russlands NATO-Botschafter Dmitri Rogosin feierte die «glanzvolle Rettungsaktion» vor allem als einen politischen Sieg für Russland. «Russland hat seine Fähigkeit bewiesen, nicht nur die Interessen seines Landes im Allgemeinen, sondern auch die der russischen Staatsbürger an jedem beliebigen Punkt der Erde zu schützen», teilte Rogosin mit. «Die Situation war ernst.» Allerdings sei durch die Zusammenarbeit von Militärs und Diplomaten die «Operation glanzvoll» verlaufen. Auch die Kooperation mit der NATO zeige, dass Russland mit anderen wichtigen Weltmächten gut zusammenarbeiten könne.

Über die Details hielt sich Rogosin aber weiter bedeckt. Die «Arctic Sea» war laut Medien am 24. Juli von acht bewaffneten Männern überfallen worden, die sich als Drogenfahnder ausgegeben hatten. Die mutmaßlichen Piraten sollen die russischen Seeleute zeitweise in ihrer Gewalt gehabt, nach zwölf Stunden aber das Schiff ohne Beute wieder verlassen haben. Seither schossen Spekulationen ins Kraut, es könne um Waffen- und Drogenschmuggel gehen oder eine Beteiligung der Mafia geben. Sogar ein Untergang des Schiffs wurde nicht ausgeschlossen. Zuletzt beschäftigte sich auch die EU-Kommission mit dem rätselhaften Fall, der die halbe Welt in Atem hielt.

Für die Reederei und die Angehörigen waren die Hintergründe der wochenlangen Irrfahrt zunächst allerdings zweitrangig. Sie zeigten sich erleichtert nach Wochen der Ungewissheit. «Wir sind froh, dass die vollständige Besatzung in Sicherheit ist, dass alle am Leben sind, alle 15 Crew-Mitglieder», sagte der Direktor der finnischen Reederei Solchart Management Ltd., Viktor Matewjew, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Helsinki. Noch am Wochenende hatte die finnische Polizei gemeldet, einer angeblichen Lösegeldforderung nachzugehen. Das auf der «Arctic Sea» transportierte Holz soll nach russischen Angaben nun doch noch am Zielhafen in Algerien ankommen. Dort wird die Fracht seit dem 4. August erwartet.

Schifffahrt / Piraten / Russland
17.08.2009 · 22:55 Uhr
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