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Report: Aldi - ein deutscher Export-Schlager

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Essen (dpa) Alles begann mit einem ärmlichen Laden in Essen - heute ist Aldi das größte Discount-Imperium Europas. Dies ist das Lebenswerk von Karl und Theo Albrecht, die als Miterfinder der Discount-Idee Wirtschaftsgeschichte schrieben: Sie machten das Billig-aber-gut-Prinzip zu einem Exportschlager.

Ihr Drang zur Expansion zeigte sich früh: 1946 übernahmen Karl und Theo Albrecht das Geschäft ihrer Eltern. Vier Jahre später besaßen sie 13 Filialen, Ende der 50er Jahre bereits 170. Gleichzeitig bastelten die Albrechts an ihrer Strategie, die unter dem Namen «Discount» berühmt werden sollte: Sie hatten den Mut zu spartanischen Filialen und verkauften aus Kartons. Vor allem aber setzen sie auf niedrige Preise. So verschwanden viele inhabergeführte Lebensmittelgeschäfte von der Bildfläche.

Der erste «Aldi»-Markt - kurz für «Albrecht-Discount» eröffnete 1962 in Dortmund. Schon ein Jahrzehnt später gab es 600 Filialen in 300 Städten. Für das vergangene Jahr geben die Handelsexperten von Planet Retail die Zahl der Filialen in Deutschland mit 4295 an, weltweit sind es demnach rund 9400 in 18 Ländern.

Billig zu sein war aber immer nur ein Teil des Erfolgsrezepts, wie Experte Matthias Queck von Planet Retail erklärt: «Günstige Preise allein machen es nicht, es muss Qualität dazu kommen», betont er. Der besondere Aldi-Dreh sei die Begrenzung des Sortiments gewesen: Diese habe die Kostenersparnis und damit niedrige Preise ermöglicht.

Aldi nehme nur die Artikel ins Geschäft, «die sich ganz schnell drehen», beschreibt es Michael Gerling, Geschäftsführer des Forschungsinstitutes EHI. «Bevor man die Lieferanten bezahlen muss, hat man das Geld von den Kunden schon eingenommen.»

Niedrige Preise erfreuten schnell Käufer von Flensburg bis Freiburg. Die bei zwei verschiedenen Unternehmen einkauften: Denn schon 1961 trennten die Albrechts ihr Imperium, indem sie eine Linie quer durch die Bundesrepublik zogen - im Volksmund Aldi-Äquator genannt. Theo zog bei Aldi Nord die Fäden. Bis auf die USA teilten sich die beiden auch die Handelswelt auf.

Gerüchteweise soll ein Streit über den Verkauf von Zigaretten die Brüder zu der Trennung bewogen haben. Bis heute unterscheiden sich Aldi Nord und Aldi Süd nicht nur bei der Aktionsware. Gerling spricht von einem «gesunden familieninternen Wettbewerb», ähnlich wie bei Media Markt und Saturn.

Einen Wachstumsschub brachte der Strategiewechsel Anfang der 70er Jahre: «Die ersten Läden wurden in Innenstädten eröffnet, mit etwa 400 Quadratmeter Verkaufsfläche», berichtet Gerling. Dann habe Aldi auf 800-Quadratmeter-Läden mit vielen Parkplätzen gesetzt. Mit einem Mal hätten Kunden nicht mehr nur eine Packung Apfelsaft, sondern gleich eine ganze Palette gekauft.

Wachstumsmotor war lange das sogenannte Non-Food-Geschäft mit Computern, Bekleidung und Haushaltswaren. Mittlerweile gehen die Discounter laut Gerling aber immer mehr in Nischen, etwa zu Reiterzubehör oder Taucherausrüstungen: «Und jeder Deutsche hat mittlerweile einen Spargeltopf.»

Zudem ist Aldi Gerling zufolge weiterhin im Lebensmittelhandel Kostenführer und damit Preisführer. «Senkt Aldi Preise, ziehen die anderen mit.» Mit seinen Preissenkungen bei Milch und Butter rief Aldi in den vergangenen Jahren mehrfach Landwirte auf den Plan.

Auch die Wirtschaftskrise bekam Aldi zu spüren: 2009 verzeichnete man auf dem Heimatmarkt nach Einschätzung der Gfk-Marktforscher einen Umsatzrückgang, als eine Preissenkungswelle die andere jagte. Und jetzt zieht sich Aldi aus Griechenland zurück - ein Novum in der Unternehmensgeschichte.

Handel / Aldi / Discount
28.07.2010 · 21:46 Uhr
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