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Rentnerin zerstückelt Mann - «Sie waren eine Einheit»

Blick auf die Wohnung (unten), in der sich das Beziehungsdrama abspielte.Großansicht

Stade (dpa) - Sie lebten sehr zurückgezogen. Die Nachbarn sahen das ältere Ehepaar immer nur zusammen - wenn die beiden nach draußen zum Rauchen vor ihre Wohnung in Stade gingen oder zum Einkaufen in den Supermarkt. Sie wirkten wie eine Einheit.

Doch die 65-Jährige beendete die Zweisamkeit auf grausige Weise. Sie erschlug ihren Mann, zerstückelte den Körper und schleppte die Leichenteile in Plastiksäcke verpackt in den Keller.

War Eifersucht im Spiel? Oder hatten sich die Eheleute aus anderen Gründen gestritten? Was die Rentnerin nach den vielen gemeinsamen Jahren dazu trieb, den 71-Jährigen zu töten, war am Mittwoch noch völlig unklar. Eine Verwandte hatte am Dienstagabend die Polizei gerufen, nachdem sich die Frau ihr anvertraut hatte. Fahnder fanden die Leichenteile später im Keller und nahmen die Verdächtige fest. Am Mittwoch erließ das Amtsgericht Stade Haftbefehl wegen Totschlags.

Polizeisprecher Rainer Bohmbach hatte zuvor gesagt: «Es wird zunächst als Mordsache behandelt.» Die Frau gab die Tat zu, schwieg jedoch zu ihren Motiven. Nach den ersten Erkenntnissen der Ermittler brachte sie ihren Mann in der Nacht zum Dienstag um. Nachbarinnen, die über dem Paar in dem rot geklinkerten Mehrfamilienhaus wohnen, wollen nach Mitternacht mehrere stumpfe Schläge gehört haben. «Das klang, wie wenn jemand mit dem Hammer gegen die Wand schlägt», sagt eine der beiden Frauen, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Die Rollläden der Erdgeschosswohnung im Stader Stadtteil Hahle sind heruntergelassen, die Gardine vor dem Küchenfenster vorgezogen. Auf der Fensterbank steht eine geöffnete Toastpackung - so als wollte sich gleich jemand ein Frühstück machen. Seit mehr als 20 Jahren lebte das aus Russland stammende Paar in Deutschland. Ihre Nachbarn erlebten sie als ruhig und nett.

«Die waren immer wie eine Einheit. Man hat sie nie streiten gehört», sagt die Frau von oben. Aber was sich wirklich in der Wohnung abspielte, habe niemand mitbekommen: Die Vorhänge seien immer geschlossen gewesen. Auf der Straße wirkten sie auf jeden Fall immer sehr vertraut. «Die sind überall zusammen hingegangen. Ich habe sie nie allein gesehen», erzählt Nadja Nagel, die im Haus gegenüber lebt. Von einer Nachbarin hat sie von der furchtbaren Tat erfahren. «Das hätte ich nie gedacht. Sie soll ihn zersägt haben, schrecklich.»

Zu Details wollte sich die Polizei zunächst nicht äußern. Die Spurensicherung durchkämmte die Wohnung und den Keller noch am Mittwoch nach Hinweisen. «Die Wohnung war aufgeräumt», erzählt Bohmbach. Nach Chlor habe es am Morgen nach der Tat gerochen, findet auch die Nachbarin aus der oberen Etage. So als habe die Frau mit starkem Reinigungsmittel geputzt. Außerdem konnte die Zeugin beobachten, wie die Rentnerin einen Teppich auf den Sperrmüll auf der gegenüberliegenden Straßenseite brachte. «Der ist sichergestellt», sagt Bohmbach.

Der Schock in der Nachbarschaft sitzt tief. Dass die Frau zu so einer schrecklichen Tat fähig ist, damit hatte niemand gerechnet. Nach Angaben des Kriminalexperten Axel Petermann sind Gewaltexzesse bei Frauen auch eher selten. «Neun von zehn Tötungsdelikten begehen Männer», erläutert der Fallanalytiker bei der Bremer Mordkommission. «Wenn Frauen ihren Partner töten, dann wollen sie Klarheit schaffen - für eine neue Beziehung oder um sich eines Tyrannen zu entledigen.»

Kriminalität
09.03.2011 · 16:51 Uhr
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